Die meisten Menschen kennen NLP aus einem Wochenendseminar. Ein paar Techniken, Pacing, leading – das war’s.
Was kaum jemand kennt, ist die Geschichte dahinter: ein Mathematikstudent, der Tonbänder abtippte. Ein Hypnosetherapeut, der farbenblind und gelähmt war und trotzdem einer der einflussreichsten Menschen seines Fachs wurde. Ein Markenstreit vor Gericht.
Was jetzt kommt, ist eine Mischung aus überraschenden Studien, skurrilen Geschichten, Zitaten der Gründerfiguren und Dingen, die du täglich tust, ohne zu ahnen, dass sie längst einen Namen haben.
Und ganz am Ende wird es persönlich: Da verrate ich dir, wie mein eigener Weg mit NLP begann und warum er nach fast zwanzig Jahren noch lange nicht zu Ende ist.
Los geht es. 111 Mal.

I Wie alles begann: die Gründungsgeschichte
1. NLP entstand nicht in einem Labor, sondern an einer Universität in Kalifornien, in Santa Cruz, Anfang der 1970er Jahre. Kein weißer Kittel, kein Institut, nur zwei neugierige Männer.
2. Richard Bandler, einer der beiden Gründer, war ursprünglich Mathematik- und Informatikstudent, kein Psychologe.
3. Der eigentliche Startschuss war ein Nebenjob: Bandler transkribierte Tonbänder von Gestaltsitzungen für einen Verleger. Dabei bemerkte er, dass sich bestimmte Sprachmuster wiederholten.
4. John Grinder, der zweite Gründer, war Assistenzprofessor für Linguistik. Er brachte Noam Chomskys Transformationsgrammatik ein, das sprachliche Rückgrat des späteren Meta-Modells.
5. Das erste NLP-Modell überhaupt war das Meta-Modell, veröffentlicht 1975 in „The Structure of Magic“. Bandler war damals gerade 25 Jahre alt.
6. Es gab einen dritten Mann in der Frühzeit, den fast niemand kennt: Frank Pucelik leitete mit Bandler die ersten Gestaltgruppen. Dann zerstritten sie sich über eine Frau.Pucelik leitete dann lange große NLP-Institute in Odessa, Ukraine.
7. Der sperrige Name „Neuro-Linguistisches Programmieren“ ist bewusst technisch gewählt. Er sollte Neurologie, Sprache und den Zeitgeist der frühen Computerära bündeln. Er entstand angeblich, als Bandler wegen Überschreitung des Tempolimits von einem Polizisten angehalten wurde. Nach seinem Beruf gefragt, fiel Bandlers Blick auf drei Bücher, die auf dem Beifahrersitz lagen. Eins über Neurologie, eins über Linguistik und eins übers Programmieren. So antwortete er geistesgegenwärtig: „Neuro-linguistischer Programmierer.“ Der Polizist winkte ihn durch und der Begriff war geboren.
8. Das philosophische Fundament des NLP stammt gar nicht von den beiden, sondern vom Sprachforscher Alfred Korzybski. Von ihm kommt der Satz, der bis heute jedes gute Coaching trägt: Die Landkarte ist nicht das Gebiet.
9. Auch der Anthropologe Gregory Bateson war eine Art Pate. Er schrieb ein Vorwort und stellte den beiden später Milton Erickson vor.
10. Das erste populäre NLP-Buch, „Frogs into Princes“ von 1979, wurde nicht geschrieben. Es ist das wortwörtliche Protokoll eines Live-Seminars, mit allen Sprüchen und Pausen.
11. Zwei Größen der Psychotherapie schrieben jeweils ein Vorwort zum Erstlingswerk: Virginia Satir und Gregory Bateson. Ein Ritterschlag, den heute kaum ein Fachbuch bekommt.

II Die Vorbilder: drei Genies, die NLP kopierte
12. Streng genommen hat NLP nichts erfunden. Es hat modelliert: die Arbeit von drei Ausnahmetherapeutinnen und -therapeuten, die intuitiv Dinge taten, die niemand erklären konnte.
13. Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie, lieferte die Vorlage für das Reframing und einen Teil des Meta-Modells.
14. Perls‘ berühmtester Satz ist bis heute Kult: „Lose your mind and come to your senses.“ Verliere deinen Verstand und komm zu deinen Sinnen.
15. Sein „Gestaltgebet“ von 1969 wurde zur Hymne einer ganzen Generation. Der Kern: Ich bin nicht auf der Welt, um deine Erwartungen zu erfüllen, und du nicht, um meine zu erfüllen.
16. Perls, gebürtiger Berliner jüdischer Herkunft, floh in den 1930er Jahren vor den Nazis, zunächst über Südafrika, später in die USA. Ein Stück deutscher Geschichte steckt im Fundament von NLP.
17. Virginia Satir, die „Mutter der Familientherapie“, war das zweite Vorbild. Ihr Beitrag: Sprache, die Beziehungen heilt statt sie zu zerlegen. Von Satir stammt ein Satz, der jede Beziehungsberatung überflüssig machen könnte: Kommunikation ist für Beziehungen, was Atem fürs Leben ist. Ihr wohl charmantester Satz: Wir brauchen vier Umarmungen am Tag zum Überleben, acht zum Erhalt und zwölf, um zu wachsen.
18. Satirs „fünf Freiheiten“ sind reines Selbstführungs-Gold: sehen und hören, was ist. Sagen, was du fühlst. Fühlen, was du fühlst. Bitten, was du willst. Und Risiken für dich selbst eingehen.
19. Das dritte Vorbild war Milton Erickson, der große Hypnosetherapeut. Vermittelt wurde der Kontakt ausgerechnet vom Anthropologen Bateson.
20. Von Erickson stammt das Milton-Modell, die Kunst der bewusst vagen Sprache. Es ist das genaue Gegenstück zum präzisen Meta-Modell. NLP hat also von Anfang an mit beiden Polen gearbeitet: Klarheit und Andeutung.

III Milton Erickson: der unwahrscheinlichste Held
21. Erickson war farbenblind, tontaub und Legastheniker. Sprechen lernte er erst mit vier Jahren.
22. Mit 17 erkrankte er so schwer an Kinderlähmung, dass drei Ärzte seinen Tod noch für dieselbe Nacht voraussagten.
23. Er hörte dieses Urteil durch die Wand mit. Die Wut darüber, so erzählte er später, habe ihn am Leben gehalten.
24. Vollständig gelähmt, konnte er nur noch die Augen bewegen. Also begann er, seine sieben Schwestern zu beobachten. So lernte er, Körpersprache zu lesen wie andere ein Buch.
25. Das Gehen brachte er sich selbst wieder bei, indem er seiner krabbelnden Babyschwester zusah und ihre Bewegungen studierte.
26. In seinen Fünfzigern traf ihn die Polio ein zweites Mal. Den Rest seines Lebens verbrachte er im Rollstuhl und kontrollierte seine chronischen Schmerzen mit Selbsthypnose.
27. Die amerikanische Ärztekammer versuchte in den 1950er Jahren, ihm die Approbation zu entziehen, weil er mit Hypnose arbeitete. Die Vorwürfe wurden fallengelassen.
28. Im Zweiten Weltkrieg beriet Erickson die US-Regierung zur Psychologie von Propaganda und arbeitete dabei mit Margaret Mead und Gregory Bateson zusammen.
29. Berühmt wurde seine „Handshake-Induktion“: Er konnte Menschen mitten im Händeschütteln in Trance versetzen, indem er ein eingeschliffenes soziales Muster unterbrach.
30. Eine schwangere Kollegin ging an ihm vorbei, und er gratulierte ihr. Sie war fassungslos: Sie selbst hatte die Nachricht erst am selben Morgen von ihrem Arzt bekommen.
31. Sein therapeutisches Credo brachte alles auf den Punkt: Behandlung soll sich dem einzigartigen Menschen anpassen, statt den Menschen in ein vorgefertigtes Theoriebett zu zwingen.

IV Skurriles, Skandalöses und Kurioses
32. Bandler gründete 1978 die „Society of NLP“. Für die Qualität und Zertifizierung im deutschsprachigen Raum ist sie ohne Bedeutung, dafür steht hierzulande der DVNLP.
33. Die legendäre Partnerschaft der beiden Gründer hielt nicht lange. Um 1980 endete die Zusammenarbeit abrupt, und aus Kollegen wurden Kontrahenten.
34. Es folgte einer der bittersten Streits der Coaching-Geschichte: 1996 und 1997 verklagte Bandler Grinder und einen großen Teil der NLP-Szene wegen der Markenrechte am Begriff NLP.
35. Erst Ende 2000 einigten sie sich. Im Vergleich erkannten sie sich gegenseitig als „Co-Gründer“ an und verpflichteten sich, einander künftig nicht mehr öffentlich schlechtzumachen.
36. Eine charmante Randnotiz vom Anfang: Grinder, der Assistenzprofessor, sollte die Gestaltgruppe des Studenten Bandler ursprünglich nur als Supervisor begleiten. Am Ende tauschten die beiden die Rollen, der Student lehrte, der Professor lernte.

37. In den späten 1980ern verklagte Bandler auch Tony Robbins, weil dieser NLP-Techniken nutzte, ohne sie über Bandlers Organisation zertifizieren zu lassen.
38. Bandler modellierte nicht nur Therapeuten, sondern auch den Bewegungspionier Moshe Feldenkrais. NLP hat sich früh überall bedient, wo Exzellenz zu finden war.
39. Der Titel „Frogs into Princes“ ist selbst ein Reframing-Witz: aus Fröschen, also Problemen, werden Prinzen, also Ressourcen.
40. Gregory Bateson, der stille Pate im Hintergrund, prägte auch den Begriff der „Doppelbindung“ und beeinflusste die gesamte systemische Familientherapie.
V Berühmte Persönlichkeiten mit NLP-Bezug
41. Tony Robbins, heute einer der bekanntesten Coaches der Welt, begann als NLP-Trainer. Sein Imperium wuchs auf diesem Fundament.
42. Der britische Hypnotiseur Paul McKenna machte NLP in Großbritannien populär. Ein einziger Sieben-Tage-Kurs seiner Firma soll 2006 mit 600 Teilnehmenden rund eine Million Pfund umgesetzt haben.
43. Nach seinem Prozess verlangte Bandler für Seminare Tagessätze von 2.500 Dollar und mehr. NLP war schon in den 1980ern ein Geschäft.
44. Milton Erickson wurde vom Bestsellerautor John Bradshaw schlicht „der größte Therapeut, der je gelebt hat“ genannt.
45. Erickson beriet unter anderem das olympische Schießteam der USA. Konzentration unter Druck war sein Fachgebiet, lange bevor es „mentales Training“ hieß.
46. Robert Dilts, eine der prägenden Figuren der zweiten NLP-Generation, brachte die berühmten „logischen Ebenen“ ins Feld. Von ihm stammt der Satz: Flexibilität entsteht aus mehreren Wahlmöglichkeiten, Weisheit aus mehreren Perspektiven.

47. Viele Redecoaches, Verkaufstrainings und Sportmentoren nutzen NLP-Elemente, oft ohne es so zu nennen. Der Werkzeugkasten ist längst in der Alltagskultur angekommen.
48. Und trotzdem: Kaum jemand, der NLP heute nutzt, kennt die Namen Perls, Satir oder Erickson. Die Quellen sind bekannter durch das, was sie ausgelöst haben, als durch sich selbst.
VI Was die Wissenschaft wirklich sagt
Jetzt kommt der Reflex, den fast alle bringen: NLP, das sei doch unwissenschaftlich. Diese Antwort ist bequem, aber sie stimmt so nicht. Wer wirklich hinsieht, findet unter der Oberfläche ein Fundament, das erstaunlich weit trägt.
49. Das pauschale Urteil „unwissenschaftlich“ stützt sich meist auf eine Handvoll enger Studien aus den 1980er Jahren, nicht auf den heutigen Kenntnisstand. Wer genauer prüft, findet ein deutlich differenzierteres Bild.
50. NLP ist nicht aus Esoterik entstanden, sondern aus der genauen Beobachtung dreier der wirksamsten Therapeuten des 20. Jahrhunderts. Deren Ansätze prägen bis heute anerkannte Verfahren wie die lösungsorientierte Kurzzeittherapie und die systemische Familientherapie. Die Wurzeln sind seriös.
51. Reframing ist in der Fachsprache nichts anderes als kognitive Neubewertung, eine der am besten erforschten und wirksamsten Strategien der Emotionsregulation. NLP hat sie beschrieben, lange bevor die Psychologie ihr diesen Namen gab.
52. Das Meta-Modell, also präzises Nachfragen, das versteckte Annahmen sichtbar macht, wird auch außerhalb von NLP ernst genommen: in der professionellen Gesprächsführung und sogar in der qualitativen Sozialforschung.
53. Ankern ist im Kern klassische Konditionierung, Lehrbuchwissen seit Pawlow. Der Mechanismus dahinter ist nicht umstritten, sondern eine der ältesten gesicherten Erkenntnisse der Lernforschung.
54. Die NLP-Technik gegen Phobien berührt dieselbe Grundlogik wie Konfrontation und Gegenkonditionierung, also genau die Verfahren, die bei Ängsten als am besten belegt gelten.
55. Was NLP „Modeling“ nennt, deckt sich mit der modernen Expertiseforschung: Spitzenleistung ist selten reines Talent, sondern hat eine analysierbare, lernbare Struktur. Diese Idee war ihrer Zeit voraus.
56. Eine veröffentlichte Meta-Analyse fasste zwölf Studien mit 658 Personen zusammen und fand einen mittleren positiven Effekt der NLP-basierten Therapie, besonders bei Ängsten und Phobien. Ein realer, messbarer Effekt, den man nicht wegdiskutieren kann.
57. Die wohlgeformten Ziele aus dem NLP decken sich mit robuster Forschung zur Zielsetzung und zur sogenannten Wenn-dann-Planung, die zu den zuverlässigsten Erkenntnissen der Verhaltensänderung überhaupt zählt.
58. Zur Redlichkeit gehört: Nicht jede frühe Behauptung hat gehalten. Die Ideen von festen Wahrnehmungstypen oder von der Blickrichtung als Lügendetektor ließ NLP zu Recht hinter sich. Genau das ist ein Zeichen von Reife, nicht von Schwäche.
59. Deshalb greift das Etikett „Pseudowissenschaft“ zu kurz. Es beurteilt einen ganzen, sich weiterentwickelnden Werkzeugkasten anhand seiner schwächsten, vierzig Jahre alten Thesen und übersieht alles, was seither an anderer Stelle bestätigt wurde.
60. Das Fazit fällt klarer aus, als viele denken: NLP ist weit besser fundiert als sein Ruf. Vieles, was es früh beschrieb, wurde später in Psychologie und Hirnforschung bestätigt, oft nur unter anderem Namen. Das Etikett versprach viel, die Substanz hält erstaunlich oft mit.

VII Was die Hirnforschung heute sagt
61. Dein Gedächtnis ist kein Archiv. Beim Erinnern wird eine Erinnerung kurz instabil und danach neu abgespeichert. Fachleute nennen das Rekonsolidierung.
62. In genau diesem kurzen Fenster kann sich die emotionale Färbung einer Erinnerung verändern. Das ist der reale neurobiologische Boden unter der Idee, dass alte Gefühle bearbeitbar sind.
63. Rekonsolidierung ist keine NLP-Erfindung. Aber sie rehabilitiert die Grundintuition, dass subjektives Erleben formbar ist, statt in Stein gemeißelt.
64. Neuroplastizität, die lebenslange Veränderbarkeit des Gehirns durch Übung, ist heute unbestritten. Sie ist das Fundament unter dem Satz „Veränderung ist möglich“.
65. Spiegelneurone sind das populäre biologische Echo hinter Rapport und Spiegeln. Die Forschung ist differenzierter als die Seminar-Folklore, aber der Kern stimmt: Wir stimmen uns unbewusst aufeinander ein.
66. Der Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Gefühl ist real, wenn auch bescheidener, als die große „Power-Pose“-Welle behauptete. Aufrecht sitzen macht nicht allmächtig, aber es verändert das Erleben.
67. Der Framing-Effekt, erforscht von Kahneman und Tversky, ist wissenschaftlich bestens belegt: Dieselbe Information anders gerahmt führt zu anderen Entscheidungen. Das ist Reframing, nobelpreisgeadelt.
68. Auch die Neubewertung von Erregung ist untersucht: Wer Nervosität als Vorfreude deutet, schneidet in Prüfungssituationen messbar besser ab. Gleicher Körper, andere Bedeutung.
69. Aufmerksamkeit ist selektiv. Wir sehen nicht die Welt, sondern einen Ausschnitt. Das ist keine Esoterik, sondern Wahrnehmungspsychologie, und es ist der seriöse Kern hinter „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“.

VIII Die verrücktesten Vorurteile über NLP
70. „NLP ist Gehirnwäsche.“ Nein. Jede Kommunikation wirkt auf dich, ob beim Elternabend oder im Werbespot. NLP macht diese Muster nur sichtbar.
71. „Mit NLP bringst du jeden zu allem.“ Wenn das stimmte, wäre die halbe Werbebranche allmächtig. Ist sie nicht.
72. „NLP ist eine Sekte.“ NLP ist kein Glaubenssystem, sondern ein Werkzeugkasten. Dass manche Anbieter Sekten-Vibes verströmen, ist eine Frage der Anbieter, nicht der Methode.
73. „Berühmte Politiker steuern Massen per NLP.“ Das ist meist unbelegte Legende. Rhetorik-Talent braucht kein Zertifikat.
74. „NLP heilt jedes Trauma in zehn Minuten.“ Ein Überversprechen, das seriöse Arbeit eher beschädigt. Echte Veränderung braucht Behutsamkeit, nicht Tempo.
75. „Wer nach oben rechts schaut, lügt.“ Populär, aber nicht belegt. Bitte niemanden auf dieser Basis verurteilen.
76. „NLP ist kompletter Humbug.“ Auch das ist zu grob. Die Praxis-Wirkung wird von Kritikern oft unterschätzt, so wie die Theorie von Fans oft überschätzt wird.
77. „NLP und KI-NLP sind dasselbe.“ Reine Namensgleichheit. Natural Language Processing in der Informatik hat mit Neuro-Linguistischem Programmieren nichts zu tun. Zwei Welten, drei Buchstaben.
78. „Das ist doch alles Manipulation.“ Der Unterschied zwischen Manipulation und Einfluss liegt in der Absicht. Ein Messer schneidet Brot oder verletzt. Am Werkzeug liegt es nicht.
79. „NLP funktioniert nur bei labilen Menschen.“ Falsch herum gedacht. Gerade hochfunktionale, reflektierte Menschen holen aus präziser Selbstführung am meisten heraus.

IX NLP im Alltag: was fast jeder tut, ohne es zu wissen
80. Ankern: Ein Lied ertönt, und du bist sofort in einem bestimmten Sommer. Ein Duft, und du stehst in Omas Küche. Das ist ein Anker, ganz ohne Seminar.
81. Reframing: „Kein Regen, keine Blumen.“ Du deutest ständig um, im Kleinen wie im Großen. Die Frage ist nur, ob bewusst oder zufällig.
82. Rapport und Spiegeln: In einem richtig guten Gespräch gleichen sich Haltung, Tempo und sogar Atem ganz von selbst an. Niemand macht das absichtlich, und trotzdem passiert es.
83. Pacing und Leading: Ein guter Gastgeber holt dich erst ab und führt dich dann. Genau dieses Prinzip beschreibt NLP als Technik.
84. Submodalitäten: Ein schöner Gedanke wird „größer und heller“, ein mieser „grau und klein“. Diese inneren Regler bedienst du längst, meist unbewusst.
85. Zielbilder: Wer sich einen Erfolg lebhaft ausmalt, mit Bild, Ton und Gefühl, motiviert sich stärker. Sportler nennen es Visualisierung, NLP nennt es Wohlgeformtes Ziel.
86. Meta-Programme: Ob du eher aufs Ziel schaust oder aufs Vermeiden, ob du Möglichkeiten suchst oder Notwendigkeiten, das sind unbewusste Filter, durch die du permanent die Welt sortierst.
87. Innerer Dialog: Die Stimme in deinem Kopf hat Tonfall und Lautstärke. Verändere den Ton, und das Gefühl kippt. Probier es einmal mit einer albernen Stimme aus.
88. Der Als-ob-Rahmen: „Tu so, als könntest du es schon.“ Eine uralte NLP-Idee, die jedes Kind beim Spielen intuitiv nutzt.
89. Milton-Sprache: „Vielleicht bemerkst du, während du das hier liest, wie …“ Genau so arbeitet jeder gute Erzähler, jede gute Werbetexterin.
90. Storytelling statt Belehrung: Wer eine Metapher erzählt, statt zu dozieren, arbeitet wie Erickson. Geschichten rutschen an der Abwehr vorbei, Argumente prallen ab.
91. Kalibrieren: Du merkst am Gesicht deines Gegenübers, dass etwas nicht stimmt, bevor ein Wort fällt. Das ist Kalibrieren, und du kannst es längst.
92. Ressourcen-Erinnerung: Vor einer schwierigen Situation an einen früheren Erfolg denken, um Selbstsicherheit abzurufen. Ein Klassiker, den Menschen seit jeher nutzen.

X Kuriositäten, Rekorde und Randnotizen
93. NLP wird heute in Dutzenden Ländern gelehrt, mit sehr unterschiedlichen Qualitätsstandards. Das ist zugleich sein Segen und sein Fluch.
94. Es gibt keine einheitliche NLP-Weltbehörde. In Deutschland ist der DVNLP der maßgebliche Berufsverband, wenn es um Qualität und seriöse Zertifizierung geht.
95. Modeling, das Herzstück von NLP, ist zugleich seine unterschätzteste Idee: Exzellenz ist oft kein Talent, sondern eine lernbare Struktur, die man sichtbar machen kann.
96. Die vier Wahrnehmungspositionen (Ich, Du, Beobachter, System) sind ein Denkwerkzeug, das weit über NLP hinaus nützt, in Konflikten, Verhandlungen, Führung.
97. Das Wort „Programmieren“ im Namen ist heute eher Ballast. Es klingt technischer und kälter, als NLP tatsächlich gemeint ist.
98. Viele moderne Formate teilen Wurzeln mit den NLP-Vorbildern. Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie etwa geht direkt auf Erickson zurück.
99. Der Kontrast zwischen Meta-Modell und Milton-Modell ist bis heute ein kleines Meisterwerk: Das eine präzisiert Sprache, das andere öffnet sie. Beide zusammen sind das Salz in der Suppe.
100. Kaum bekannt: Ein Großteil dessen, was Menschen für „typisch NLP“ halten, wurde erst von der zweiten Generation entwickelt, nicht von den Gründern selbst.
101. Die frühe NLP-Szene war ein Kind ihrer Zeit: Kalifornien, frühe 1970er, Aufbruch, Experiment, ein bisschen Rebellion. Diese Energie steckt bis heute in der Methode.
102. Vielleicht der schönste Gedanke am Ende: NLP hat nie behauptet, die Wahrheit über den Menschen zu kennen. Es hat gefragt, was funktioniert. Diese Bescheidenheit im Kern geht in der Debatte oft unter.
103. Und das Wichtigste: Ob eine Technik nützt, entscheidet nie das Etikett, sondern der Mensch, der sie klug, ehrlich und mit einer Prise Magie einsetzt.
XI Und jetzt zu mir
Einhundertelf Dinge über NLP, und bisher kein einziges über die Person, die dir das hier erzählt. Das ändern wir zum Schluss. Denn NLP wird erst dann lebendig, wenn ein echter Mensch damit arbeitet, mit seiner eigenen Geschichte, seinen Umwegen und seiner eigenen Handschrift.
104. Meine allererste NLP-Technik war ein Entspannungsanker. Ich brauchte ihn, weil ein schwieriges Gespräch mit meinem damaligen Vorgesetzten bevorstand. Er hielt, das Gespräch lief, und mich hatte es gepackt 🙂
105. Mein erstes NLP-Buch kaufte ich mit vierzehn: das Buch von Thies Stahl, „Neue Wege der Kurzzeittherapie. Neurolinguistische Programme.“ Es war die Übersetzung von „Frogs into Princes“ von Bandler und Grinder. Psychologie war wirklich eine frühe Liebe von mir.
106. Wie oft ich NLP am Tag nutze? Die ehrlichste Antwort lautet: gefühlt selten, tatsächlich ununterbrochen. Rapport in jeder Sitzung, ein Reframe im Stau, ein Anker vor der Aufnahme (das unterscheidet mich übrigens nicht von den meisten Teilnehmenden meiner NLP-Ausbildungen. Da höre ich auch regelmäßig: „NLP ist Teil meines Alltags geworden.“
107. Und ganz bewusst coache ich mich etwa zweimal pro Woche selbst. Wer andere begleitet, sollte das eigene Handwerk auch an sich selbst kennen. Selbstverständlich arbeite ich ebenso mit anderen Coaches, denn niemand sollte nur die eigene Landkarte befragen.
108. Die Technik, die ich anfangs am meisten unterschätzt habe, waren die Submodalitäten. Ich dachte ehrlich: „Was soll das schon bringen, Bilder größer oder kleiner zu machen? Das lernt man so früh in der Practitioner-Ausbildung, so viel kann da nicht dran sein.“ Heute liebe ich die Geschwindigkeit, mit der Submodalitäten Veränderung auslösen. Und dass sie kneipentauglich sind: Zwanzig Leute können daneben sitzen und zuhören, und niemand ahnt, woran wir gerade arbeiten.
109. Mein größter NLP-Irrtum: Ich war überzeugt, ich würde NLP niemals so gut können wie meine Mentoren. Knapp zwei Jahrzehnte später weiß ich es besser. Nicht, weil ich sie alle überholt hätte, sondern weil „so gut wie jemand anderes“ von Anfang an die falsche Messlatte war.
110. Was mich an der NLP-Szene am meisten ärgert? Dass NLP so oft auf „sieben Hacks für mehr Erfolg“ und lautes ChakaChaka reduziert wird. Das bedeutet, aus einem Elefanten eine Mücke zu machen. Seriöses NLP ist kein Bühnentrick und keine Effekthascherei, sondern präzise, systemische Arbeit am einzelnen Menschen.
111. Warum ich nach neunzehn Jahren NLP noch immer Feuer habe? Weil NLP so individuell ist wie die Menschen, die es anwenden. Kein Coaching läuft wie das letzte, keine Biografie gleicht einer anderen, jede Lösung ist einzigartig. NLP ist nur dann brillant, wenn es wirklich auf den einen Menschen vor dir zugeschnitten wird. Und genau das begeistert mich jeden einzelnen Tag aufs Neue.

Wenn dich einer dieser 111 Punkte gepackt hat, dann warst du gerade selbst mitten im Neuro-Linguistischem Programmieren. Neugierig hinsehen, umdeuten, hinterfragen, das ist schon der Anfang.
Wer tiefer einsteigen möchte: In meinem Podcast WildCast – der Coaching-Podcast für NLP & Systemik nehme ich mir genau solche Themen vor.
Und wenn du wissen willst, wie sich all das sauber, systemisch und ehrlich in echte Selbstführungs-Kompetenz übersetzen lässt, komm gern zu einem meiner Online-NLP-Erlebnisabende.
Ein Orientierungsgespräch ist ein weiterer Schritt, wenn du herausfinden willst, ob eine Ausbildung zu dir passt.
Welches dieser 111 Dinge hat dich am meisten überrascht? Ich bin gespannt.
Herzlichst
Susanne (Lapp)
NLP-Lehrtrainerin, Lehrcoach, Autorin, Podcast-Host
1./2. September 2026
19:00 Uhr, jeweils 2 Stunden
Live, online per Zoom