Warum du deine Ziele immer wieder aus den Augen verlierst – Ziele erreichen mit der Timeline

Warum du deine Ziele immer wieder aus den Augen verlierst – Ziele erreichen mit der Timeline

Inhaltsangabe

Martin ist Steuerberater. Diszipliniert, strukturiert, erfolgreich. Er führt eine Kanzlei mit vier Angestellten, seine Wochenplanung sitzt, seine Zehn-Jahres-Pläne auch. Und trotzdem passiert ihm jedes Jahr dasselbe: Er setzt sich zum Jahresbeginn Ziele, schreibt sie ordentlich in eine Excel-Tabelle und vergisst sie. Wochenlang. Bis er zufällig über die Datei stolpert, die direkt auf seinem Desktop liegt. „Ups, da ist ja noch was.“ Was ihm fehlt, ist kein Zeitmanagement-Tool und kein neues Notizbuch. Was ihm fehlt, ist das, was ich in meiner Arbeit die Timeline nenne und was Ziele erreichen mit der Timeline so grundlegend anders macht als alles, was er bisher versucht hat.

Als Martin zu mir ins Coaching kommt, ist das erste Halbjahr vorbei, und von seinen Jahreszielen ist kaum etwas umgesetzt. Was ihn dabei am meisten irritiert: Er kann es sich nicht erklären. Er ist kein undisziplinierter Mensch. Seine Ziele sind sauber definiert – smart, mit konkretem Zeitplan, schriftlich fixiert. Er macht eigentlich alles richtig, was in Ratgebern über Zielerreichung steht. Und trotzdem sagt er diesen einen Satz im Coaching: „Irgendwie verliere ich meine Ziele immer wieder aus den Augen.“

Vielleicht kennst du das. Die Wochenplanung klappt. Die ganz großen Lebenslinien auch. Aber dazwischen – bei den Zielen mit einem Horizont von einigen Monaten bis einem Jahr – versandet es regelmäßig. Dann möchte ich dir heute eine Perspektive anbieten, die du vermutlich noch nicht kennst: Es liegt möglicherweise nicht an deiner Disziplin. Sondern daran, wie deine innere Timeline konstruiert ist.


I Ziele erreichen mit der Timeline – was steckt dahinter?

Um zu verstehen, was bei Martin passiert, brauchst du ein Konzept aus dem NLP, das zu den vielseitigsten und mächtigsten Werkzeugen gehört, mit denen ich arbeite: die Timeline, die Zeitlinie.

Die Grundidee ist einfach: Wir Menschen codieren Zeit räumlich. In unserem Gehirn liegen die Bereiche für räumliche Vorstellung, für räumliches Sehen und für Zeit unmittelbar nebeneinander. Das zeigt sich sogar in unserer Alltagssprache: Wir sagen, dass eine Herausforderung vor uns liegt. Dass wir etwas hinter uns gelassen haben. Oder dass wir kurz davor sind, etwas zu bewältigen.

Das heißt: Jeder von uns trägt – völlig unbewusst – eine räumliche Abbildung von Zeit in sich. Erinnerungen und zukünftige Ereignisse haben buchstäblich einen Ort in unserem inneren Erleben. Wenn wir uns diese räumliche Abbildung bewusst machen, entsteht eine Timeline: unsere ganz individuelle Zeitlinie.

Wichtig dabei: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Jeder Mensch hat seine eigene Timeline. Aber manche Timelines weisen Eigenschaften auf, die sie weniger gut geeignet machen, zum Beispiel für die Verfolgung von Zielen. Und genau das war meine Vermutung bei Martin. Denn er hatte zwei Dinge gesagt, die ich als Coach wörtlich nehme: dass er seine Ziele aus den Augen verliert und dass er sich nicht vorstellen kann, älter als sechzig zu werden. Um das zweite Thema geht es im zweiten Teil dieses Artikels; hier bleiben wir beim ersten.


II Wie man eine Timeline sichtbar macht und Ziele damit erreicht

Im Coaching elizitieren wir die Timeline – das heißt schlicht: Wir arbeiten sie heraus. Dazu gehören zwei Perspektiven. Zum einen die Draufsicht: Wo im Raum erscheint ein Ereignis – einen Meter vor mir, drei Meter links von mir, zwei Meter hinter mir? Zum anderen die Seitenansicht: In welcher Höhe sehe ich es – auf Augenhöhe, darunter, darüber?

Mit Martin beginne ich mit Fingerübungen. Ich bitte ihn, daran zu denken, wie er sich heute Morgen die Zähne geputzt hat – und zu schauen, wo dieses Bild vor seinem inneren Auge auftaucht. Er zeigt auf einen Punkt etwa dreißig Zentimeter vor sich, leicht nach links verschoben. Das vergangene Weihnachtsfest? Etwas weiter weg, noch ein Stück weiter links. Seine Einschulung? Drei, vier Meter links von ihm. Martin gehört offensichtlich zu den Menschen, die ihre Vergangenheit links vor sich sehen – das ist in unserem Kulturkreis relativ häufig.

Dann die Zukunft: Das Abendessen heute erscheint rechts vor ihm. Der Kinobesuch am Wochenende noch etwas weiter rechts, leicht oberhalb der Augenhöhe. Der Monatsabschluss in seiner Kanzlei wieder ein Stück weiter. So entsteht nach und nach eine Landkarte: Martins persönliche Abbildung der Zeit.

Und dann bitte ich ihn, an sein wichtigstes Jahresziel zu denken – die Einstellung eines weiteren Steuerberaters bis Ende des Jahres.

Martin zögert. Schaut mich verwundert an. „Das ist jetzt ganz, ganz komisch. Es fühlt sich an, als ob die Timeline da verschwindet.“


II.1 Die Delle: wenn Ziele mit der Timeline nicht erreichbar scheinen

Was Martin beschreibt, sehe ich in meiner Arbeit immer wieder. Es gibt verschiedene Varianten: Manchmal liegt ein Bereich der Timeline im Nebel. Manchmal in der Dunkelheit. Und manchmal hat die Timeline eine Delle – sie beult sich nach unten aus, sodass die Ereignisse, die in diesem Tal liegen, schlicht nicht einsehbar sind.

Bei Martin ist es eine Delle, dazu Nebel. Und jetzt wird sein Satz vom Anfang plötzlich wörtlich wahr: Der Zeitraum zwischen wenigen Monaten und einem Jahr – genau der Horizont seiner Jahresziele – liegt in dieser Delle. Kein Wunder, dass er diese Ziele im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder aus den Augen verliert. Sie sind auf seiner inneren Landkarte nicht sichtbar. Keine Excel-Tabelle der Welt kann das ausgleichen, denn die Tabelle liegt auf dem Desktop – die Delle aber liegt im Inneren.


II.2 Warum dein Unbewusstes Ziele versteckt

Die spannende Frage ist natürlich: Warum baut ein Gehirn so eine Delle? Die Antwort fanden wir, als ich Martin bat, einmal an früher zu denken – an seine Kindheit – und an Jahresziele. Seine spontane Assoziation: Zeugnisse.

Nach der Trennung seiner Eltern hatte Martin sich in der Schule sehr schwergetan. Schlechte Zeugnisse bedeuteten großes Theater, gestrichenes Taschengeld, Nachhilfe in den Ferien. Der Jahreshorizont – die Zeitspanne, an deren Ende eine Bewertung stand – war für das Kind Martin über Jahre mit Druck, Scham und Angst verbunden.

Und genau diese frühen Erfahrungen projizierte sein Unbewusstes nun in die Zukunft. Man kann es so sehen: Sein Unbewusstes wollte ihn schützen – und machte den belastenden Zeitraum kurzerhand unsichtbar. Es versenkte ihn in einer Delle. Eine gut gemeinte Lösung mit einem hohen Preis: Mit dem alten Schmerz verschwanden auch die heutigen Ziele.

Im Coaching haben wir diese Projektion dorthin zurückgebracht, wo sie hingehört – in die Vergangenheit, an die Stelle der Timeline, an der Martin acht, neun Jahre alt war. Solche Veränderungen funktionieren oft erstaunlich leicht, wenn der Zusammenhang einmal erkannt ist. Als Martin anschließend ein Symbol für sein Jahresziel auf der begradigten, hellen Timeline platzierte, lag dort übrigens das Clubhaus seines Tennisvereins: Mit der neuen Kollegin oder dem neuen Kollegen in der Kanzlei will er endlich wieder mehr Tennis spielen. Zwei Wochen später war die Stellenanzeige geschaltet, die ersten vielversprechenden Bewerbungen lagen vor.

Der Transparenz halber: Nicht immer geht es so schnell. Im Einzelfall kann es ein längerer Prozess sein, solche Projektionen aufzulösen. Aber die Richtung ist dieselbe – und der Aha-Moment, wenn jemand zum ersten Mal sieht, warum seine Ziele verschwinden, ist fast immer der Wendepunkt.


III Woran du eine unterstützende Timeline erkennst

Drei Merkmale zeichnen eine Timeline aus, die dich trägt, statt dich auszubremsen:

Erstens ist sie bei Bedarf gut einsehbar. Es gibt keine dunklen Stellen – die aufrechtzuerhalten ist für den Energiehaushalt des Gehirns übrigens richtig anstrengend. Die Zeitlinie fühlt sich insgesamt angenehm an, wie ein Ort, an dem man sich gerne aufhält.

Zweitens ermöglicht ihre Darstellung ein angemessenes Zeitmanagement: Nahes wirkt nah, Fernes fern, und die Abstände erlauben Orientierung.

Und drittens gehört die Timeline wirklich dir. Manchmal liegen auf einer Timeline nämlich systemische Lasten aus der Herkunftsfamilie – dann wirkt die Zeitlinie formal „sauber“, aber die Zukunft fühlt sich trotzdem schwer oder fremd an. Eine funktionale Timeline vermittelt das Gefühl: Das ist mein Leben. Meine Zeit. Mein Weg. (Was es damit auf sich hat, liest du im zweiten Teil – bei Martin wurde genau dieser Punkt noch richtig spannend.)


IV Eine Frage an dich

Wenn du magst, nimm dir einen ruhigen Moment und stell dir diese Frage: Gibt es einen bestimmten Zeithorizont, in dem dir deine Ziele immer wieder entgleiten? Die Wochenplanung klappt, die großen Linien auch, aber dazwischen versandet es?

Dann schau einmal hin: Wie gut kannst du dir diesen Zeitraum eigentlich vorstellen? Erscheint er dir hell und klar oder eher diffus, neblig, unangenehm? Und falls Letzteres: Erinnert dich dieser Zeithorizont vielleicht an etwas aus deiner Vergangenheit? Bei Martin waren es die Zeugnisse. Was wäre es bei dir?

Denn eines nimmst du hoffentlich aus Martins Geschichte mit: Wenn du deine Ziele immer wieder aus den Augen verlierst, ist das nicht zwingend eine Frage der Disziplin. Manchmal liegt es schlicht daran, wie deine innere Landkarte der Zeit gebaut ist. Und an einer Landkarte kann man arbeiten.


Die ganze Coaching-Sitzung mit Martin – inklusive der überraschenden Fortsetzung – hörst du in Folge 71 des WildCast.

Wenn du selbst lernen möchtest, mit der Timeline zu arbeiten: In meiner NLP-Master-Ausbildung widmen wir der Timeline-Arbeit ein ganzes Wochenende. Hier findest du alle Informationen zur systemischen NLP-Master-Ausbildung (inkl. Coach).

Und wenn du dein eigenes Thema anschauen möchtest, findest du hier alle Informationen zum Einzelcoaching.

Herzlichst

Susanne (Lapp)

Lehrtrainerin, Lehrcoach, Autorin, Podcast-Host

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