I Warum dich Konflikte im Büro oft mehr kosten, als du denkst
Machtspiele im Büro sind keine Einzelfälle, sondern lassen sich wissenschaftlich fassen: In der Transaktionsanalyse (TA), einem psychologischen Modell von Eric Berne aus den 1960er-Jahren, werden sie als Kommunikationsspiele beschrieben. TA geht davon aus, dass wir in unterschiedlichen Ich-Zuständen agieren (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich) – und dass Konflikte entstehen, wenn diese Zustände unbewusst aufeinandertreffen. Machtspiele sind also keine „Charakterschwächen“, sondern festgelegte Kommunikationsmuster, die sich wiederholen.
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Vielleicht kennst du das: Ein Meeting, das eigentlich eine sachliche Diskussion sein sollte, kippt.
Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern um unterschwellige Sticheleien, Rechtfertigungen und dieses seltsame Gefühl, klein gemacht zu werden. Alle sind genervt und / oder gelangweilt. Jeder spürt: “Um die Sache geht es hier schon lange nicht mehr”.
Am Ende verlässt du den Raum mit einem Knoten im Bauch – leer, ausgelaugt und verunsichert. Du fühlst dich irgendwie komisch klebrig, schmierig, scheußlich.
Genau sö fühlen sich Machtspiele im Büro an. Sie rauben Energie, blockieren Teams und sind für viele Menschen eine tägliche Belastung.
In diesem Artikel erfährst du, wie du sie erkennst, warum sie entstehen und wie du souverän aussteigen kannst.
II Fallbeispiel Patrick: Wenn ein Kollege zum größten Stressfaktor wird
Patrick, Mitte vierzig, ist Marketingleiter in einem Medizintechnik-Unternehmen. Eigentlich liebt er seinen Job – wären da nicht die ständigen Auseinandersetzungen mit dem neuen Vertriebsleiter.
Jede Woche im Jour fixe dasselbe Spiel: „Warum ist die neue Website noch nicht online?“ – „Hätten wir für die Sponsoring-Kampagne nicht ein jüngeres Gesicht nehmen sollen?“ Die ständigen Vorwürfe verunsichern Patrick. Er fühlt sich vorgeführt, kleingemacht, in seiner Kompetenz in Frage gestellt.
Schlaflose Nächte sind die Folge.
Im Coaching zeigt sich schnell: Es geht nicht um Websites oder Kampagnen. Es geht um ein Machtspiel, das er und der Vertriebsleiter unbewusst spielen.
III Sekundärgefühle als Hinweis auf Machtspiele
Ein Schlüssel zum Erkennen solcher Spiele liegt in der Wahrnehmung der sog. Sekundärgefühle.
Das sind Gefühle, die sich wie ein Mantel über das eigentliche, angemessene Primärgefühl legen. Statt Angst zu spüren, reagiert jemand mit Ärger. Statt Traurigkeit zu zeigen, wirkt jemand überheblich.
Und diese Sekundärgefühle sorgen dafür, dass man sich vom Gegenüber genervt oder gelangweilt fühlt. Wenn dich also jemand nervt oder langweilt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er oder sie gerade in einem Sekundargefühl ist.
Umgekehrt: Wenn jemand auf dich genervt oder gelangweilt reagiert, gibt es ebenfalls eine gewissen Wahrscheinlichkeit, dass du gerade in einem Sekundärgefühl gefangen bist.
Bei Patrick war es genau so: Der Vertriebsleiter wirkte überlegen, sogar arrogant. Doch dahinter steckte Unsicherheit über die eigenen Zahlen. Und Patricks Genervtheit war einfach ein Hinweis darauf, dass der Vertriebsleiter versuchte etwas vorzugaukeln – nämlich in dem Fall Kompetenz und Souveränität –, was er eigentlich gar nicht spürte. Denn eigentlich fühlte er sich verunsichert und als Neuer gegenüber Patrick, dem alten Hasen, unterlegen..
👉 Merke: Wenn du genervt oder gelangweilt bist, lohnt es sich, näher hinzuschauen: Meist läuft gerade ein Psychospiel.
IV Die drei Kategorien von Machtspielen
Machtspiele sind vielfältig – im Kern lassen sie sich in drei große Typen einteilen. Jeder Typ hat seine eigene Dynamik, seine eigenen Fallen und ganz typische Muster, die du vielleicht schon aus deinem eigenen Büroalltag kennst.
Eric Berne hat in der Transaktionsanalyse auch von den sogenannten ‚Spielen der Erwachsenen‘ gesprochen – wiederkehrende Kommunikationsmuster, die oberflächlich harmlos wirken, in Wahrheit aber verdeckte Machtkämpfe austragen. Genau hier ordnen sich auch die Opferspiele, Verfolgerspiele und Retterspiele ein.
IV.1 🎭 Opferspiele
Das Opferspiel ist auf den ersten Blick schwer zu durchschauen, weil es so harmlos wirkt.
Menschen, die dieses Spiel spielen, senden ständig unterschwellige Botschaften wie: „Warum immer ich?“, „Ich kann das nicht“ oder „Das ist zu viel für mich.“ Sie wirken hilflos und passiv – und genau darin liegt ihre Strategie.
Indem sie Aufgaben ablehnen oder sich geschickt entziehen, üben sie Kontrolle aus. Denn wer ständig signalisiert, überfordert zu sein, zwingt andere, einzuspringen, mitzudenken oder zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.
Im Team führt das dazu, dass bestimmte Aufgaben immer an denselben hängenbleiben. Während die Person im Opferspiel paradoxerweise Macht gewinnt, indem sie „schwach“ erscheint. Das kann enorm frustrierend sein, vor allem für Führungskräfte, die merken: Hier geht es nicht ums Können, sondern um ein unbewusstes Machtmuster.
IV.2 🕵️ Verfolgerspiele
Ganz anders funktionieren die Verfolgerspiele. Hier liegt die Dynamik im ständigen Kritisieren, Kontrollieren und Bloßstellen. Menschen in dieser Rolle sind permanent auf der Suche nach Fehlern bei Anderen – egal, wie gut deine Arbeit ist, sie finden garantiert eine Schwachstelle.
Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse, nannte dieses Spiel treffend „Hab ich dich, du Schweinehund.“ Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Angriff ist die beste Verteidigung. Zumindest in den Augen des Verfolgers.
Wer den anderen kleinmacht, fühlt sich selbst größer.
Typisch ist, dass Verfolger keine eigene Schwächen eingestehen.
Stattdessen nutzen sie Angriffe, um ihre eigene Unsicherheit zu verdecken. In Meetings erkennst du das daran, dass bestimmte Kollegen immer die kritischen Fragen stellen, den Finger in die Wunde legen oder mit einem süffisanten Lächeln deine Arbeit infrage stellen.
Das Ziel ist selten eine bessere Lösung, sondern die Botschaft: „Ich habe dich erwischt – du bist nicht so kompetent, wie du denkst.“
Und wenn du dich dann wehrst – deine Sicht der Dinge darstellst –, sind sie schnell eingeschnappt: “Ich habe es ja bloß gut gemeint.”
IV.3 🤝 Retterspiele
Das Retterspiel wirkt nach außen oft positiv: „Warte, ich mach das schnell für dich!“ Wer könnte schon etwas gegen Hilfsbereitschaft haben? Doch wenn Helfen zum Automatismus wird, kippt es in ein Spiel.
Der Retter entmündigt andere, weil er ihnen signalisiert: „Du kannst das nicht ohne mich.“ Und gleichzeitig verschafft er sich selbst das Gefühl, unverzichtbar zu sein.
Gerade Menschen, die in ihrer Kindheit früh Verantwortung übernehmen mussten – etwa weil sie für jüngere Geschwister oder gar die Eltern da sein mussten – sind besonders anfällig für Retterspiele (die dahinterliegende Psychodynamik – die Parentifizierung – habe ich in diesem Blogartikel ausführlich dargestellt.)
Im Beruf führt das dazu, dass sie ständig die Aufgaben anderer übernehmen, Überstunden machen und irgendwann erschöpft sind. Gleichzeitig versuchen sie ständig, in die Aufgabenbereiche der Kollegen rein zuregieren, weil sie ja vermeintlich alles besser wissen.
Diese fühlen sich dadurch bevormundet, was dann häufig zu Konflikten führt.
👉 Fazit: Jedes dieser Spiele folgt seinen eigenen Regeln und doch haben sie alle eines gemeinsam: Sie funktionieren nur, wenn mindestens zwei Spieler an Bord sind. Ohne Resonanz verpufft jedes Spiel.
In der Psychologie wird dieses Muster auch als ‚Drama-Dreieck‘ beschrieben: Die Rollen Opfer, Retter und Verfolger wechseln ständig – und genau dadurch bleibt das Spiel lebendig. Heute Opfer, morgen Täter, übermorgen Retter – am Ende sind alle erschöpft und niemand hat gewonnen.
„Kein Machtspiel kann laufen, wenn nicht mindestens zwei mitspielen.“ – Susanne Lapp
Das ist deine große Chance: In dem Moment, in dem du erkennst, dass ein Spiel beginnt, kannst du bewusst entscheiden, ob du mitmachst oder aussteigst.
V Bekannte Muster und alte Prägungen
Im Coaching zeigte sich: Patricks heftige Reaktionen auf den Vertriebsleiter hatten ihre Wurzeln in alten Mustern. Schon als Kind hatte er einen älteren Bruder, der ihn ständig kritisierte, ihm Vorwürfe machte und ihn klein hielt. Für Patrick war es damals unmöglich, sich zu wehren – er war der Jüngere, körperlich unterlegen und emotional abhängig. Das Gefühl, ständig bewertet und abgewertet zu werden, hat sich tief in sein Nervensystem eingeprägt.
Genau deshalb fühlte sich das heutige Bürospiel sofort vertraut an. Der Tonfall des Vertriebsleiters, die hochgezogene Augenbraue, das Bohren mit spitzen Fragen – all das erinnerte Patrick unbewusst an die Dynamik mit seinem Bruder.
Obwohl er heute erwachsen, kompetent und erfolgreich ist, rutscht er in diesen Situationen in die alte Rolle des kleineren, schwächeren Kindes zurück. Sein Körper reagiert schneller als sein Kopf: Herzrasen, Schweiß, das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.
Und genau hier liegt die Macht solcher Psychospiele. Sie triggern nicht nur das Hier und Jetzt, sondern wecken ganze Erinnerungspakete aus der Vergangenheit. Ein Kollege, der kritisiert, ist nicht mehr „nur“ ein Kollege – er verkörpert plötzlich die alte Autoritätsperson, den übermächtigen Bruder oder den kritischen Vater. Unser Unterbewusstsein macht keinen Unterschied zwischen damals und heute. Es greift auf dieselben Überlebensstrategien zurück, die uns als Kind geholfen haben, und setzt sie auch im Berufsalltag ein – selbst wenn sie längst nicht mehr passend sind.
Das erklärt auch, warum viele Menschen in solchen Situationen das Gefühl haben: „Ich weiß eigentlich, dass ich souverän reagieren könnte – und trotzdem tue ich es nicht.“
Die alte Prägung ist stärker als die bewusste Entscheidung. Wir fallen automatisch in Rollen zurück, die wir längst hinter uns lassen wollten: angepasst, trotzig, defensiv. Und wir ärgern uns danach doppelt – über den Kollegen und über uns selbst.
👉 Genau deshalb ist es so entscheidend, diese Muster zu erkennen. Solange sie unbewusst wirken, laufen Machtspiele auf Autopilot. Erst wenn dir klar wird, dass dein Gegenüber in Wahrheit nur eine alte Wunde berührt, bekommst du die Chance, den Kreislauf zu unterbrechen.
VI Drei Quick Fixes für sofortige Entlastung
Bevor wir tiefer arbeiten, braucht es oft schnelle Werkzeuge, um überhaupt wieder handlungsfähig zu werden. Wer mitten im Strudel eines Machtspiels steckt, braucht nicht gleich eine große Transformation, sondern kleine, sofort wirksame Schritte. Patrick hat im Coaching drei solcher Tools trainiert – und schon nach kurzer Zeit erste Veränderungen gespürt.
VI.1 Mini-Check-in
Der Mini-Check-in klingt unspektakulär, entfaltet aber enorme Wirkung. Mehrmals am Tag hältst du kurz inne und stellst dir drei Fragen:
- Was denke ich gerade?
- Was fühle ich gerade?
- Wo in meinem Körper spüre ich Spannung?
Allein dieser kurze Stopp schafft Bewusstsein. Patrick merkte schnell: Schon beim Gedanken an das nächste Jour fixe raste sein Herz, ohne dass er es vorher bemerkt hätte. Durch den Mini-Check-in konnte er innehalten, tief durchatmen und verhindern, dass sich die Anspannung unbewusst aufbaute. Dieses kleine Tool verschafft dir die erste Wahlfreiheit: Du kannst reagieren, anstatt automatisch zu funktionieren.
VI.2 Dissoziation
Wenn die Emotionen hochkochen, ist es hilfreich, innerlich einen Schritt zurückzutreten. Dissoziation bedeutet, dich selbst und die Situation von außen zu betrachten – als würdest du einen Film sehen. Stell dir die Szene vor wie auf einer Leinwand: Du siehst dich selbst, den Kollegen, die anderen im Raum.
Patrick berichtete, dass der Vertriebsleiter plötzlich gar nicht mehr so übermächtig wirkte, wenn er ihn auf dieser inneren Leinwand beobachtete. Der emotionale Druck sank sofort, weil er Abstand gewann. Diese Technik ist besonders nützlich in Meetings, wenn du das Gefühl hast, erdrückt zu werden. Sie schafft Klarheit und Distanz – zwei Ressourcen, die mitten im Spiel oft fehlen.
VI.3 Ressourcen-Anker
Der dritte Quick Fix ist der Ressourcen-Anker. Dabei rufst du dir bewusst eine Situation ins Gedächtnis, in der du dich stark, souverän und gelassen gefühlt hast. Dieses Gefühl wird dann mit einem kleinen körperlichen Signal verknüpft – etwa indem du Daumen und Zeigefinger zusammendrückst.
Patrick hat diesen Anker genutzt, kurz bevor er den Meetingraum betrat. Allein das Setzen des Ankers reichte, um ruhiger und sicherer aufzutreten – obwohl er wusste, dass gleich wieder eine Spitze zu erwarten wäre.
👉 Fazit: Diese Quick Fixes sind keine Wundermittel für immer.
Aber sie verschaffen dir sofortige Entlastung, erhöhen deine Handlungsfähigkeit und geben dir die nötige Stabilität, um an den tieferliegenden Glaubenssätzen zu arbeiten.
Für Patrick waren sie der entscheidende Einstieg in den Veränderungsprozess, um nicht mehr ausgeliefert in die Meetings zu gehen, sondern mit einem ersten Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit. Sie wirken nicht dauerhaft, aber sie vermitteln sofort Erleichterung und genau das braucht es, um dann tiefer einzusteigen.
VII Die fünf Merkmale von Psychospielen
Damit du Machtspiele künftig schneller erkennst, hier meine fünf klaren Marker:
- Spiele laufen nach einem festen Muster ab (immer gleiche Auslöser und Rollen).
- Gesunde Anteile bleiben außen vor – Täter- und Opferrollen übernehmen.
- Es kommt fast immer zu einem Rollenwechsel: Opfer wird Täter, Täter wird Opfer.
- Die Kommunikation besteht aus verdeckten Transaktionen – Worte und Ton passen nicht zusammen.
- Am Ende bleibt ein „klebriges Gefühl“ – du fühlst dich beschmutzt, nicht geklärt.
Wenn du mehrere dieser Punkte bemerkst, kannst du sicher sein: Hier läuft gerade ein Psychospiel.
„Das klebrige Gefühl im Bauch ist ein sicheres Zeichen dafür, dass du gerade Teil eines Psychospiels warst.“ – Susanne Lapp
VIII Ausstieg aus dem Machtspiel – Schritt für Schritt
Der wahre Wendepunkt im Coaching kam, als Patrick lernte, bewusst aus dem Kreislauf auszusteigen. Machtspiele haben ihre eigene Dynamik: Ein Auslöser, ein Reflex, ein Rollenwechsel – und schon bist du mitten drin. Doch das Gute ist: Es gibt Momente, in denen du das Drehbuch unterbrechen kannst. Der Schlüssel liegt darin, diese Stopp-Punkte zu erkennen und neue Reaktionen einzuüben.
1. Körpersignal wahrnehmen
Jedes Machtspiel kündigt sich körperlich an. Bei Patrick war es der Knoten im Bauch. Andere spüren ein Kribbeln in den Händen, eine Enge im Hals oder einen Druck auf der Brust. Dieses Signal ist kein Zufall – es ist ein Frühwarnsystem. Statt es zu ignorieren oder wegzudrücken, kannst du lernen, es als Alarmleuchte zu deuten: Achtung, hier läuft gerade ein Spiel.
2. Innerlich „Stopp“ sagen
Der nächste Schritt klingt simpel, ist aber wirkungsvoll. Sobald du dein Körpersignal bemerkst, sag dir innerlich: „Stopp – hier läuft ein Spiel.“ Damit markierst du eine Grenze und verhinderst, dass dich der Autopilot sofort in alte Muster zieht. Schon dieser innere Satz verschiebt die Perspektive: Du bist nicht mehr der ausgelieferte Spielball, sondern Beobachterin oder Beobachter der Situation.
3. Kurz innehalten und atmen
Anschließend nimm dir einen kleinen Moment, um die Kontrolle zurückzuholen. Atme bewusst tief ein und aus, spüre die Füße auf dem Boden, richte den Blick auf etwas im Raum. Das kostet dich fünf Sekunden, gibt dir aber das Gefühl, wieder Herrin oder Herr deiner selbst zu sein. Genau dieser Mini-Stopp verhindert, dass du reflexartig reagierst und dich tiefer ins Spiel verstrickst.
4. Den Erwachsenen-Satz platzieren
Jetzt geht es darum, ins Erwachsenen-Ich zu wechseln. Das gelingt, indem du dir einen Satz zurechtlegst, der dich sofort in Klarheit bringt. Patrick hat sich entschieden für: „Lass uns die Fakten anschauen.“ Ein solcher Satz wirkt wie ein innerer Anker. Er holt dich aus Rechtfertigung, Trotz oder Unterwerfung heraus und führt zurück auf die sachliche Ebene. Wähle einen Satz, der zu dir passt – sachlich, ruhig, lösungsorientiert.
5. Dranbleiben im Erwachsenen-Ich
Der letzte Schritt ist der schwierigste, aber auch der lohnendste: Bleib bewusst im Erwachsenen-Ich. Dein Gegenüber wird vielleicht versuchen, dich wieder ins alte Muster zu ziehen – durch Tonfall, Vorwürfe oder Ironie. Doch wenn du im Erwachsenen-Ich bleibst, entziehst du dem Spiel die Grundlage. Denn wie wir gesehen haben: Machtspiele brauchen mindestens zwei Mitspieler. Wenn du nicht einsteigst, endet das Spiel.
👉 Warum diese fünf Schritte so wirksam sind
Sie geben dir die Möglichkeit, den Autopiloten zu unterbrechen. Statt wie gewohnt in die Opfer- oder Täterrolle zu kippen, bleibst du handlungsfähig. Für Patrick war diese kleine Abfolge ein echter Game Changer: Er ging mit mehr Ruhe in Meetings, spürte mehr innere Stabilität und konnte das alte Drehbuch durchbrechen.
Und das Beste: Du musst die Schritte nicht perfekt ausführen. Schon wenn du in einem Moment bewusst innehältst oder deinen Erwachsenen-Satz platzierst, verändert sich die Dynamik. Jede Unterbrechung des Musters ist ein Sieg und ein Schritt heraus aus den Machtspielen, die dich bisher Kraft gekostet haben.
IX Das geheime Drehbuch des Machtspiels verstehen
Jedes Machtspiel folgt einem unsichtbaren Drehbuch. Es besteht aus immer wiederkehrenden Rollen, typischen Auslösern und festgelegten Wendepunkten. Solange dieses Drehbuch unbewusst bleibt, laufen die Szenen ab wie auf Autopilot – egal, wie sehr du dir vornimmst, „es diesmal anders zu machen“. Genau deshalb ist es so entscheidend, das Drehbuch zu kennen.
Wie das Drehbuch entsteht
Drehbücher entstehen meist in der Kindheit. Dort haben wir gelernt, wie Konflikte verlaufen, welche Rolle wir einnehmen und wie wir uns behaupten oder zurückziehen. Diese Muster speichern wir ab – und wiederholen sie später im Berufsleben, ohne es zu merken. Wenn ein Kollege heute einen kritischen Ton anschlägt, springt im Unterbewusstsein sofort die alte „Tonspur“ an: „Ich werde klein gemacht, ich muss mich verteidigen.“
Patricks Drehbuch im Coaching
Im Coaching mit Patrick wurde das besonders deutlich. Sein Drehbuch lautete sinngemäß: „Du machst mich klein – ich mach dich klein.“
- Auslöser: Der Vertriebsleiter zieht die Augenbraue hoch oder stellt eine spitze Frage.
- Reaktion: Patrick rechtfertigt sich, fühlt sich kleiner und denkt heimlich: „Eigentlich bist du ein Trottel.“
- Rollenwechsel: Der Vertriebsleiter spürt diesen Angriff, geht in die Opferrolle und sagt sinngemäß: „Du tust mir Unrecht.“
- Ausgang: Beide sind verletzt, beide fühlen sich missverstanden – und beide glauben, der andere sei schuld.
Wenn du dieses Drehbuch einmal aufgeschrieben siehst, wirkt es fast wie eine Theaterprobe. Es wird klar: Die Rollen sind verteilt, die Dialoge vorhersehbar, das Ende unbefriedigend.
Warum das Drehbuch so mächtig ist
Machtspiele ziehen ihre Energie nicht aus den sachlichen Themen, sondern aus dem vertrauten Ablauf. Sie geben uns – paradox, aber wahr – ein Gefühl von Sicherheit. Denn selbst wenn das Ergebnis schmerzhaft ist, fühlt sich das bekannte Muster vertraut an. Unser Unterbewusstsein bevorzugt das Vertraute gegenüber dem Unbekannten, auch wenn es uns schadet. Deshalb geraten wir immer wieder in dieselben Szenen, obwohl wir uns fest vorgenommen haben, „diesmal nicht mitzumachen“.
Ausstieg durch Bewusstheit
Der Ausstieg gelingt erst, wenn du dein Drehbuch erkennst. Schreib es einmal auf:
- Was ist der typische Auslöser?
- Wie reagiere ich reflexartig?
- Was denke oder fühle ich insgeheim in diesem Moment?
- Wie reagiert mein Gegenüber darauf?
- Wie endet es meistens?
Allein dieser Prozess schafft Distanz. Du siehst schwarz auf weiß, wie das Muster funktioniert – und erkennst, wo du ansetzen kannst, um es zu durchbrechen.
👉 Für Patrick war dieses Aufschreiben der entscheidende Durchbruch. Zum ersten Mal verstand er, dass er selbst – wenn auch unbewusst – das Spiel mit am Laufen hielt. Nicht, weil er „schuld“ war, sondern weil sein eigenes Drehbuch ihn dazu brachte, in die Täterrolle zu kippen. Genau an diesem Punkt beginnt Veränderung.
Deine Chance
Auch du kannst dir dein eigenes Drehbuch bewusst machen. Überlege dir: Wie würde dein Spiel heißen, wenn es ein Theaterstück wäre? Welche Rollen tauchen immer wieder auf? Und wie fühlt sich das Ende an?
Indem du das Muster benennst, entziehst du ihm bereits einen Teil seiner Macht. Denn was bewusst ist, lässt sich verändern.
👉 Machtspiele sind keine Zufälle. Sie sind alte Drehbücher, die wir auf der Bühne des Büros immer wieder neu inszenieren. Die gute Nachricht: Wenn du das Drehbuch kennst, kannst du dich entscheiden, ob du die Rolle weiterspielst – oder das Stück verlässt.
XI Fazit: Klarheit statt Drama
Machtspiele im Büro sind kein Randphänomen, sondern für viele Menschen tägliche Realität. Sie rauben Energie, vergiften die Arbeitsatmosphäre und sorgen dafür, dass Teams nicht ihr volles Potenzial entfalten können. Vielleicht hast auch du schon erlebt, wie eine scheinbar sachliche Diskussion plötzlich kippt – und am Ende bleibt kein konstruktives Ergebnis, sondern nur dieses klebrige Gefühl im Bauch, als wärst du besudelt worden.
Die gute Nachricht: Du bist diesen Dynamiken nicht ausgeliefert. Indem du deine Sekundärgefühle ernst nimmst, die drei Kategorien von Machtspielen kennst, die fünf Merkmale von Psychospielen identifizierst und dir deine eigenen Drehbücher bewusst machst, gewinnst du Handlungsfreiheit. Schon kleine Schritte wie die Quick Fixes oder ein klarer Erwachsenen-Satz reichen, um ein Spiel zu unterbrechen. Jede Unterbrechung bedeutet: weniger Drama, mehr Klarheit, mehr Energie für das, was wirklich zählt.
Patrick hat genau das erlebt. Statt sich jede Woche im Jour fixe kleinmachen zu lassen, tritt er heute souveräner auf, erkennt die Spielzüge seines Kollegen und entscheidet bewusst: „Da mache ich nicht mehr mit.“ Dieser innere Wandel hat nicht nur seine Meetings verändert, sondern auch seine innere Ruhe gestärkt.
👉 Und das kannst du auch. Dein nächstes Meeting muss nicht wieder so laufen wie das letzte. Du hast mehr Möglichkeiten, als du denkst – wenn du bereit bist, dein Drehbuch zu durchschauen und umzuschreiben.
XII Werde selbst Meister*in im Umgang mit Machtspielen
Wenn dich das Thema anspricht und du spürst, dass du tiefer einsteigen möchtest, dann nutze jetzt die Chance:
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- In der NLP-Trainer-Ausbildung geht es noch tiefer: Hier erfährst du, wie du als Führungskraft oder Coach Machtspiele in Teams identifizierst, sie unterbrichst und eine Arbeitsatmosphäre schaffst, die von Vertrauen statt von Konkurrenz geprägt ist.
👉 Und jetzt zu dir:
Überlege dir, welches Gespräch dir zuletzt dieses klebrige Gefühl hinterlassen hat. Schreib dein eigenes Drehbuch auf: Was war der Auslöser, wie hast du reagiert, welche Rolle hast du gespielt? Schon das Aufschreiben verändert deine Perspektive – und ist der erste Schritt, aus dem Spiel auszusteigen.
XIII Jetzt die WildCast-Folge hören “Schluss mit den ewigen Machtspielen im Büro”
In dieser Folge hast du erfahren, wie du Machtspiele erkennst und erste Ausstiegsschritte gehst. In der nächsten Folge machen wir den Deep Dive: Wir schauen uns an, wie du dein persönliches Drehbuch wirklich umschreibst – und damit alte Muster dauerhaft veränderst.
👉 Hier kannst du die aktuelle WildCast-Folge auf Spotify anhören
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Und nun wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg beim Ausstieg aus deinen Macht- und Psychospielen. Und wenn du dir dabei professionelle Unterstützung wünschst, bin ich selbstverständlich jederzeit gerne für dich da.
Herzlichst
🧡 Susanne
Lehrcoach, Lehrtrainerin, Podcasterin