WildCast #55: Innere Unruhe überwinden mit EFT

WildCast #55: Innere Unruhe überwinden mit EFT

Inhaltsangabe

I Warum Ruhe oft schwer fällt – und wie körperorientierte Intervention wirkt

Innere Unruhe – viele kennen sie: das ständige Gefühl, nicht abschalten zu können, das Gedankenkarussell, ein Körper, der wie unter Strom steht. Besonders in Phasen, in denen es eigentlich ruhig werden sollte – etwa im Advent oder während des Urlaubs – wird sie spürbar. Wenn alles still wird, meldet sich das Nervensystem: „Mach was!“

Doch diese Unruhe ist selten nur eine Reaktion auf äußeren Stress. Sie ist oft Ausdruck einer tieferen, systemischen Dynamik. Und genau hier kann EFT (Emotional Freedom Technique) helfen – eine Methode, die Körper, Emotion und Bewusstsein miteinander verbindet und das Nervensystem auf Ruhe „neu programmiert“.

Wie sie in einem Coaching-Kontext angewendet wird, erkläre ich in meinem neuen WildCast #55 „Innere Unruhe überwinden mit EFT“:


II Warum innere Unruhe selten nur im Kopf entsteht

Viele Menschen sagen: „Ich müsste einfach mal zur Ruhe kommen.“

Doch Ruhe lässt sich nicht denken.

Wenn der Körper gelernt hat, dass Aktivität Sicherheit bedeutet – weil vielleicht in der Kindheit Stillstand mit Kritik, Angst oder Druck verbunden war – dann fühlt sich Ruhe gefährlich an.

Im Coaching zeigte sich das deutlich bei Sven, einem Klienten, der seine Unruhe als „kochend heißen Druckball“ in der Brust spürte. Als Kind hatte er erlebt, dass sein Vater nie stillsitzen durfte – und diese Dynamik unbewusst übernommen.

Solche Übernahmen sind häufig: Unser Nervensystem wiederholt, was es als „sicher“ gespeichert hat.

Darum kann man Unruhe nicht einfach „wegwollen“.

Man muss sie verstehen – und ihr einen neuen Kontext geben.


III Was ist EFT – und wie funktioniert es?

Die Emotional Freedom Technique (EFT) ist eine moderne Klopftechnik, bei der bestimmte Punkte am Körper leicht stimuliert werden, während man einen individuell formulierten Satz wiederholt.

Diese Punkte stammen aus der traditionellen chinesischen Medizin: den sogenannten Meridianbahnen, durch die Lebensenergie (Qi) fließt. Die Grundidee: Wenn emotionale Belastungen oder Stress den Energiefluss blockieren, kann sanftes Klopfen diesen wieder harmonisieren.

Während die Existenz dieser Meridiane wissenschaftlich noch diskutiert wird, ist die Wirksamkeit von EFT selbst mittlerweile gut belegt:

Eine Metaanalyse aus 2022 zeigt, dass EFT in zahlreichen randomisierten Studien signifikante Verbesserungen bei Angst, Depression, PTBS und Stresssymptomen bewirken kann (PubMed, 2022).

Eine groß angelegte Studie mit über 200 Teilnehmenden belegte deutliche Abnahmen von Angst (−40 %), Depression (−35 %) und Stress (−57 %) sowie eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens um +31 % (PMC, 2019).

Physiologisch nachweisbar ist u. a. ein gesenkter Cortisolspiegel, also eine messbare Beruhigung des Stresssystems (PMC, 2019).

Die amerikanische Cleveland Clinic beschreibt EFT daher als „eine wirksame Methode, um das autonome Nervensystem zu beruhigen und emotionale Belastung zu reduzieren“ (Cleveland Clinic, 2023).


IV EFT Schritt für Schritt – Anleitung bei innerer Unruhe

Du hast verschiedene Möglichkeiten, was du mit EFT „beklopfen“ willst. Entweder einen alten Glaubenssatz (z. B. „Das schaffe ich sowieso nicht“ oder „Ich bin nichts wert“) oder ein Körpersymptom (Herzrasen, innere Unruhe, Kloß im hals etc.)

Meiner Erfahrung nach funktioniert die Arbeit mit dem Körpersymptom schneller und direkter. Probiere gerne aus, was für dich funktioniert.

Und nun lass uns Schritt für Schritt durch ein EFT-Standard-Protokoll durchgehen.

1️⃣ Bewusstes Wahrnehmen des Körpersymptoms

  • Schließe die Augen und spüre in deinen Körper hinein.
  • Wo fühlst du die Unruhe am stärksten?
  • Wie groß ist sie, welche Temperatur, welche Bewegung hat sie?
  • Bewerte die Intensität auf einer Skala von 0 = keine Unruhe bis 10 = maximale Anspannung.

2️⃣ Einstimmungssatz formulieren

Dieser Satz sorgt dafür, dass während des Klopfens die innere Unruhe in dir aktiviert ist (das ist die Voraussetzung, um sie verändern zu können) und sie verbindet gleichzeitig die Unruhe mit Selbstannahme.

Der Einstimmungssatz hat immer die Form: „Auch wenn ……., liebe und achte ich mich so wie ich bin.“ Probiere für dich aus, welche Version sich für dich am stimmigsten anfühlt:

  • „Auch wenn ich schon wieder Herzrasen habe, liebe und achte ich mich so, wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich schon wieder nicht zur Ruhe komme, liebe und achte ich mich so, wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich von innerer Unruhe geplagt bin, liebe und achte ich mich so, wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich mich gerade rastlos fühle, darf ich ruhig werden.“

3️⃣ Klopfpunkte aktivieren

Du kannst sowohl mit der linken oder der rechten Hand klopfen. Mit zwei bis drei Fingern klopfst du sanft, etwa 9,10 Mal pro Punkt, und wiederholst dabei deinen Einstimmungssatz.

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Karate-Punkt (Handkante)
  • Innenseite der Augenbrauen
  • Außenseite der Augen
  • Unter den Augen auf dem Jochbein
  • Unter der Nase, gefühlt auf dem Zahnfleisch
  • Kinnpunkt, gefühlt auf dem Zahnfleisch
  • Schlüsselbeinpunkt, unterhalb des Schlüsselbeins, dort, wo es in das Brustbein übergeht
  • Unter der Achselhöhle (ca. eine handbreit)
Klopfpunkte EFT
  • Die Daumenfalz (wo der Daumennagel in das Nagelbett übergeht)
  • Nagelfalz des Zeigefingers
  • Nagelfalz des Mittelfingers
  • Nagelfalz kleiner Finger
  • Karatepunkt (erneut)
  • Handrücken (in der Vertiefung zwischen der Sehne des Ring- und des kleinen Fingers)

4️⃣ Die 9-Gamut-Folge

Zur Integration folgt eine sogenannte Gamut-Sequenz: Während du auf dem Handrücken weiterklopfst,

  • schließt und öffnest du die Augen,
  • blickst nach rechts unten und links unten (ohne den Kopf zu bewegen),
  • kreist die Augen im Uhrzeigerund gegen den Uhrzeigersinn,
  • summst einige Takte eines Liedes,
  • rechnest eine kleine Aufgabe und
  • summst erneut.

Diese Übung synchronisiert die Gehirnhälften und beruhigt den Verstand.

5️⃣ Erneutes Klopfen

Klopfen nun erneut alle Klopfpunkte, wie unter 3. beschrieben und wiederhole dann die 9-Gammut-Folge.

6️⃣Neubewertung

Bewerte erneut: Wie stark ist die Unruhe jetzt? Schon eine Verringerung um 2–3 Punkte auf der Skala gilt als messbarer Erfolg.

Kontinuität & Lieblingspunkte

In akuten Phasen empfehle ich, morgens und abends – anfangs sogar stündlich – zu klopfen. Und natürlich immer in der akuten Situation (außer bei 180 km/h auf der Autobahn :-)).

Es gehört zu den Stärken des EFT, dass es unauffällig auch in Meetings, im Kino, im Wartezimmer einer Ärztin etc. angewandt werden kann. Einmal gelernt, hast du zukünftig immer ein mächtiges Tool dabei, um dich selbst zu beruhigen.

Mit der Zeit wirst du spüren, welche Punkte dir besonders guttun. Das sind deine „Lieblingspunkte“. Du kannst dich dann beim Klopfen – gerade in akuten Situationen – auf deine Lieblingspunkte konzentrieren.


V Warum EFT gerade bei innerer Unruhe wirkt

Innere Unruhe ist kein „Charakterfehler“, sondern ein Zustand chronischer Übererregung des Nervensystems.

EFT greift dort an, wo diese Übererregung entsteht – im Körper.

Das sanfte Klopfen wirkt wie ein biologisches Signal von Sicherheit.

Während man auf das belastende Gefühl fokussiert, erfährt der Körper gleichzeitig Berührung, Rhythmus und Selbstannahme. Diese Kombination verändert die neuronale Verschaltung: Die Unruhe wird nicht weggedrückt, sondern „umgeschrieben“.

Im Coaching lässt sich das wunderbar beobachten: Schon nach der ersten Runde sinkt die Intensität spürbar, Atmung und Mimik verändern sich, der Körper reagiert. Das ist keine Magie – das ist Neurobiologie.


VI Wie EFT im Körper wirkt – drei Ebenen der Veränderung

1️⃣ Physiologisch

Das Klopfen senkt Stresshormone wie Cortisol, aktiviert den Parasympathikus und bringt den Körper aus dem Alarmmodus (PMC, 2019).

2️⃣ Kognitiv-emotional

Der Einstimmungssatz verbindet Akzeptanz und Selbstmitgefühl – zwei Schlüssel zur Emotionsregulation. Dadurch löst sich der innere Widerstand, der Anspannung oft aufrechterhält.

3️⃣ Systemisch-energetisch

Auf tieferer Ebene entsteht eine neue Erfahrung: „Ich darf ruhig sein und bin trotzdem sicher.“ Das Nervensystem lernt, dass Entspannung nicht mehr mit Gefahr verknüpft ist.


VII Wann EFT besonders hilfreich ist

  • bei anhaltender Rastlosigkeit, Schlafproblemen, Nervosität
  • bei Ängsten und depressiven Verstimmungen
  • als Begleitung zu Meditation oder Coaching
  • als Notfall-Tool in Stressmomenten (z. B. vor Gesprächen, in der Nacht, im Stau)
  • als Einstieg in tiefere systemische Prozesse wie Timeline- oder Aufstellungsarbeit

VIII Fazit: Ruhe darf gelernt werden

Innere Unruhe ist kein Defekt – sie ist ein altes Schutzprogramm.

Und genau deshalb darf man sie liebevoll überschreiben, statt sie zu bekämpfen. EFT ist dafür ein einfaches, aber tiefgreifendes Werkzeug: Es verbindet den Körper mit dem Bewusstsein, bringt das Nervensystem ins Gleichgewicht und ermöglicht echte Selbstberuhigung – überall und jederzeit.

Wenn du das Gefühl hast, dass auch du gerade schwer zur Ruhe kommst, probiere es aus:

„Auch wenn ich von innerer Unruhe geplagt bin, liebe und achte ich mich so, wie ich bin.“

Und wenn du spürst, dass du tiefer arbeiten möchtest, finde heraus, was dein Nervensystem wirklich braucht.

In einer NLP-Ausbildung bei WildWechsel lernst du, genau das zu verstehen: Wie Körper, Emotion und System ineinandergreifen und wie du wieder zu dir selbst zurückkehrst.


IX 🧡 Weiterführende Links:

Und hier geht es direkt zum WildCast #55: „Innere Unruhe überwinden mit EFT“

Und schreib mir gerne von deinen Erfahrungen mit EFT direkt an info@wildwechsel.biz. Ich freue mich, von dir zu hören.

🧡Herzlichst
Susanne (Lapp)
Lehrtrainerin, Lehrcoach, Podcasterin, Autorin

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