10 Micro-Acts of Feminism in meinen NLP-Ausbildungen und Coachings

10 Micro-Acts of Feminism in meinen NLP-Ausbildungen und Coachings

Inhaltsangabe

Meine Gedanken zum Weltfrauentag 2026

Wenn vom Feminismus die Rede ist, denken viele sofort an große politische Debatten. An Demonstrationen, Forderungen oder gesellschaftliche Konfliktlinien.

All das gehört dazu.

Und gleichzeitig möchte ich zum Weltfrauentag 2026 meinen Blick auf etwas anderes richten: auf die kleinen Momente im Alltag, in denen sich Gleichberechtigung ganz konkret zeigt oder eben nicht.

Denn in meiner Arbeit als Coach und Ausbilderin erlebe ich immer wieder etwas sehr Spannendes. Die wirklich wirksamen Veränderungen entstehen häufig im Kleinen. In Momenten, die kaum jemand bemerkt. In kleinen Interventionen, die ein Gespräch, eine Dynamik oder manchmal sogar eine ganze Gruppe verändern können.

Ich nenne das Micro Acts of Feminism.

Es sind kleine Handlungen, die Strukturen sichtbar machen und manchmal ganz leise verschieben. Keine großen Gesten. Keine moralischen Belehrungen. Sondern bewusste Entscheidungen im meinem Alltag.

Gerade in meinen NLP-Ausbildungen und Coachings arbeite ich mit Menschen aus sehr unterschiedlichen beruflichen Kontexten. Führungskräfte, Fachkräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer. Männer und Frauen.

Und immer wieder zeigt sich: Gleichberechtigung entsteht nicht dadurch, dass Frauen härter werden müssen. Sondern auch dadurch, dass Männer mehr Raum bekommen, ihre emotionale Seite zu entwickeln.

Feminismus bedeutet für mich deshalb nicht Kampf gegen Männer. Sondern eine Kultur, in der beide Geschlechter freier werden.

Hier sind zehn Micro Acts, die ich in meiner Arbeit bewusst lebe.


1. Ich unterbreche das Unterbrechen

In Meetings oder Gruppenarbeiten passiert es erstaunlich oft: Eine Frau beginnt zu sprechen und wird unterbrochen.

Manchmal absichtlich, oft einfach aus Gewohnheit.

Ich greife in solchen Momenten ruhig ein und sage zum Beispiel:

„Lass sie bitte ausreden.“

Das ist keine große Intervention. Aber sie verändert die Dynamik im Raum. Sie signalisiert, dass hier eine Gesprächskultur gilt, in der Menschen ihre Gedanken zu Ende formulieren dürfen.

Gerade in Ausbildungsgruppen entstehen daraus spannende Gespräche über Kommunikationsmuster und unbewusste Machtstrukturen.


2. Ich nenne die Urheberin

Viele Frauen kennen dieses Phänomen: Eine Idee wird zunächst kaum beachtet und taucht später plötzlich wieder auf, als hätte sie jemand anderes eingebracht.

Ich achte deshalb bewusst darauf, Ideen wieder ihrer Urheberin zuzuordnen.

Zum Beispiel mit einem Satz wie:

„Das knüpft sehr schön an das an, was Maria vorhin gesagt hat.“

Das wirkt unspektakulär, stärkt aber Sichtbarkeit und Wertschätzung.

Und ich muss es in einer Gruppe oft nur ein, zwei Mal machen und plötzlich machen es alle.


3. Ich spreche über Bezahlung

Gehalt ist in vielen beruflichen Kontexten immer noch ein Tabuthema. Gleichzeitig wissen wir, dass fehlende Transparenz oft dazu führt, dass Ungleichheiten bestehen bleiben.

In Coachings ermutige ich deshalb dazu, über Bezahlung zu sprechen. Sachlich, professionell und ohne Drama.

Nicht als Wettbewerb, sondern als Teil beruflicher und persönlicher Selbstvertretung.

Wer weiß, was möglich ist, kann anders verhandeln.

Wer zu seinem Wert steht, lebt bewusster.


4. Ich widerspreche sexistischen Witzen – in jede Richtung

In vielen Gruppen entstehen Situationen, in denen sexistische Kommentare als Witz verpackt werden.

Ich lache darüber nicht.

Und zwar weder über Witze auf Kosten von Frauen noch über Witze auf Kosten von Männern.

Wenn ein Kommentar eine Grenze überschreitet, sage ich ruhig:

„Den finde ich ehrlich gesagt nicht besonders lustig.“ oder direkter “Das ist nicht die Form des Miteinanders, die ich mir für uns wünsche.”

Feminismus bedeutet für mich Respekt gegenüber allen Menschen. Dazu gehört auch, Sexismus gegenüber Männern oder anderen Geschlechtsidentitäten nicht zu normalisieren.


5. Ich spreche über Care-Arbeit als Arbeit

Ein Satz, den ich immer wieder höre, lautet:

„Ich habe lange nur nebenher gearbeitet. Ich habe mich stattdessen lange um die Kinder gekümmert.“

Dabei wissen wir alle, dass Familienorganisation, Kinderbetreuung oder Pflege enorme Verantwortung bedeuten.

Ich versuche deshalb bewusst, anders darüber zu sprechen.

Zum Beispiel:

„Du organisiert gerade Familie und Haushalt.“

Sprache formt unsere Wahrnehmung. Wenn Care-Arbeit sprachlich unsichtbar bleibt, lassen wir zu, dass ihr Wert unterschätzt wird.


6. Ich empfehle Expertinnen

In vielen Fachbereichen sind Männer in der öffentlichen Wahrnehmung stärker präsent – selbst dann, wenn genauso viele kompetente Frauen existieren.

Deshalb empfehle ich bewusst Expertinnen. Bücher, Podcasts, Fachartikel oder Speakerinnen.

Das erweitert den Blick und sorgt dafür, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden.


7. Ich ermutige Frauen, sich Raum zu nehmen

Viele Frauen sind sozialisiert worden, zuerst an andere zu denken. Und sich klein zu machen. Leise zu sprechen. Beim Sitzen, Stehen und Gehen wenig Platz einzunehmen.

In meinen Ausbildungen lade ich deshalb immer wieder dazu ein, Raum einzunehmen. Mit Gedanken, Fragen, Positionen. Mit Körpersprache. Und mit dem wortwörtlichen Erheben der eigenen Stimme.

Nicht dominant, sondern selbstverständlich.

Raum zu nehmen bedeutet nicht, anderen Raum wegzunehmen.

Es bedeutet, den eigenen Platz einzunehmen. Sich selbst, den eigenen Bedürfnissen und Gedanken Raum zu geben.


8. Ich frage Frauen nach ihrer Meinung und Männer nach ihren Gefühlen

In gemischten Gruppen beobachte ich häufig zwei typische Muster.

Frauen gehen schneller in Selbstoffenbarung.

Männer bleiben häufiger auf der Sachebene.

In meinen Ausbildungsgruppen achte ich deshalb bewusst darauf, beide Seiten einzuladen.

Frauen dürfen selbstverständlich fachlich positioniert sein und klar argumentieren. Männer dürfen über emotionale Themen sprechen.

Wenn Männer beginnen, ihre Gefühle ernst zu nehmen und zu benennen, verändert sich die Dynamik in Gruppen oft spürbar.

Für mich gehört genau das zum Feminismus: dass Männer mehr Zugang zu ihrer emotionalen Welt bekommen und selbstverständlich dazu stehen dürfen.

Gerade im beruflichen Kontext ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reife. Führungskräfte, die ihre eigenen Gefühle wahrnehmen, reflektieren und artikulieren können, treffen oft klarere Entscheidungen und führen ihre Teams bewusster.

Emotionale Selbstwahrnehmung ist deshalb für mich kein Gegensatz zu Leadership, sondern ein zentraler Teil davon.


9. Ich vermeide einfache Täter-Opfer-Bilder

In gesellschaftlichen Debatten entsteht manchmal der Eindruck, Männer seien grundsätzlich Täter und Frauen grundsätzlich Opfer.

Die Realität ist komplexer.

In meinen Coachings und Ausbildungen zeigt sich immer wieder, dass Menschen – Männer wie Frauen – schwierige Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Bezugspersonen gemacht haben – mit Müttern genauso wie mit Vätern.

Deshalb versuche ich bewusst, vorschnelle Zuschreibungen zu vermeiden.

Systemisches Arbeiten bedeutet für mich, Menschen vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte zu verstehen, nicht als Vertreter eines Geschlechts.


10. Ich halte den Raum für Selbstbestimmung

Viele Frauen entschuldigen sich für Dinge, für die sie sich eigentlich nicht entschuldigen müssten: für Ambition, für Klarheit oder für eine starke Präsenz.

Gleichzeitig erlebe ich in meinen Coachings immer wieder, dass Männer sich für etwas anderes entschuldigen: für ihre Gefühle. Für Unsicherheit, für Verletzlichkeit oder dafür, dass sie emotional berührt sind.

Beides sind in meinen Augen überkommene Rollenbilder.

In meinen Ausbildungen und Coachings versuche ich deshalb, einen Raum zu halten, in dem Menschen sich jenseits dieser Erwartungen zeigen dürfen.

Frauen dürfen ambitioniert sein, klar sprechen und Raum einnehmen, ohne sich dafür zu rechtfertigen.

Und Männer dürfen Gefühle zeigen, Zweifel äußern und über innere Themen sprechen, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen.

Ohne Rechtfertigung für ambitionierte Ziele.

Ohne Entschuldigung für Klarheit in Gesprächen.

Und ohne Scham für emotionale Offenheit.

Selbstbestimmung entsteht oft genau dort, wo Menschen merken:

Hier darf ich wirklich ich selbst sein.


Warum kleine Handlungen große Wirkung haben

In meiner ersten eigenen Wohnung, als Bank-Azubine, hatte ich lange Zeit ein Poster an der Wand hängen. “Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.” (Das Bild zeigt tatsächlich das Original-Poster. Nach bald 40 Jahren …… ) So versuche ich bis heute zu leben.

Screenshot

In der öffentlichen Debatte wird Feminismus oft sehr polarisiert diskutiert. Als wären die Fronten klar: hier die Männer, dort die Frauen.

In meiner Arbeit erlebe ich etwas anderes. Ich sehe Frauen, die lernen, ihre Stimme klarer zu erheben und sich endlich deutlich abzugrenzen.

Und Männer, die zum ersten Mal Worte für Gefühle finden, die sie lange nicht zeigen durften. Und für alte Verletzungen, die immer noch schmerzen.

Ich sehe Menschen, die beginnen, alte Rollenbilder aufzubrechen – nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil sie merken, dass sie ihnen nicht mehr entsprechen und nicht gut tun.

Vielleicht liegt genau darin eine der stillen Stärken des Feminismus. Er erweitert die Möglichkeiten für alle.

Für Frauen bedeutet das oft mehr Raum für Ambition, Klarheit und Selbstbestimmung.

Für Männer bedeutet es häufig mehr Raum für Emotion, Verletzlichkeit, innere Ehrlichkeit und wahrhaftige Verbindung.

Und genau in dieser Erweiterung liegt auch die tiefe Verbindung zum NLP, wie ich es verstehe: Es geht darum, innere und äußere Handlungsspielräume zu vergrößern.

Vielleicht ist genau das mein persönlicher Gedanke zum Weltfrauentag 2026: Gleichberechtigung entsteht nicht nur durch große gesellschaftliche Veränderungen allein.

Sie entsteht auch durch viele kleine Entscheidungen im Alltag.

Ein Gespräch anders führen.

Eine Stimme sichtbar machen.

Ein Gefühl ernst nehmen.

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo jemand den Mut hat, einen kleinen Moment anders zu gestalten als bisher.

Welchen Mikro Act of Feminist willst du heute leben?

Herzlichst

Susanne (Lapp)

Lehrtrainerin, Lehrcoach, Podcasterin, Autorin

PS Wenn dich diese Themen interessieren

Viele der Dynamiken, über die ich hier geschrieben habe – Kommunikation, Rollenbilder, emotionale Selbstwahrnehmung oder unbewusste Muster in Gruppen – sind Teil meiner NLP-Ausbildungen bei WildWechsel.

Dort arbeiten wir sehr praktisch daran, solche Muster zu erkennen und bewusst zu verändern: in Gesprächen, in Teams und im eigenen inneren Erleben.

Wenn du neugierig bist, wie diese Arbeit konkret aussieht, kannst du dir das ganz unverbindlich anschauen.

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