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Eine Nominalisierung ist im NLP eine sprachliche Konstruktion, bei der ein Prozess, eine Handlung oder eine Beziehung in ein Substantiv verwandelt und dadurch sprachlich wie eine feste Sache behandelt wird.
Aus einem dynamischen Vorgang wird scheinbar etwas Statisches.
Beispiele:
Nominalisierungen sind ein wichtiger Bestandteil des Meta-Modells der Sprache. Problematisch werden sie vor allem dann, wenn durch die sprachliche Verdinglichung nicht mehr erkennbar ist, wer was konkret tut und wie der zugrunde liegende Prozess verändert werden könnte.
Ein klassischer NLP-Test lautet sinngemäß:
„Kannst du es in eine Schubkarre legen?“
Wenn etwas sprachlich wie ein Gegenstand erscheint, aber nicht tatsächlich als Gegenstand existiert, handelt es sich häufig um eine Nominalisierung.
Nominalisierungen werden im NLP besonders beachtet, wenn:
Besonders häufig begegnen Nominalisierungen im Coaching und in Unternehmen:
Motivation, Vertrauen, Respekt, Kommunikation, Führung, Zusammenarbeit, Veränderung, Anerkennung, Erfolg oder Beziehung.
All diese Begriffe können sinnvoll sein. Für Veränderungsarbeit ist jedoch häufig entscheidend, sie wieder in die zugrunde liegenden Prozesse zurückzuübersetzen.
Statt:
„In meinem Team fehlt Vertrauen.“
kann gefragt werden:
„Wer vertraut wem in welcher Situation nicht und woran genau bemerkst du das?“
Eine Führungskraft sagt:
„Die Zusammenarbeit in meinem Team funktioniert nicht.“
„Zusammenarbeit“ ist eine Nominalisierung. Sie beschreibt zunächst nicht, was konkret zwischen den Beteiligten geschieht.
Der Coach fragt:
„Was genau tun die Teammitglieder oder tun sie nicht, sodass du von schlechter Zusammenarbeit sprichst?“
Die Führungskraft konkretisiert:
„Informationen werden nicht weitergegeben. Zwei Mitarbeiter stimmen ihre Aufgaben nicht miteinander ab und in Meetings sprechen sie kaum miteinander.“
Aus der abstrakten Aussage:
„Die Zusammenarbeit ist schlecht.“
werden damit mehrere beobachtbare Prozesse.
Und genau dadurch entstehen Handlungsmöglichkeiten. Eine vermeintlich feststehende „schlechte Zusammenarbeit“ lässt sich schwer verändern. Wer wann welche Informationen weitergibt und wie Menschen miteinander kommunizieren, dagegen schon.
Aus systemischer Perspektive können Nominalisierungen besonders interessant sein, weil sie Beziehungsprozesse scheinbar zu Eigenschaften von Personen oder Systemen machen.
Beispielsweise:
„In unserer Familie gibt es keine Nähe.“
„Nähe“ erscheint hier wie etwas, das entweder vorhanden ist oder fehlt.
Systemisch lässt sich stattdessen fragen:
„Wer verhält sich wem gegenüber wie, sodass du Nähe oder Distanz erlebst?“
Dadurch wird aus einer vermeintlichen Eigenschaft des Familiensystems wieder ein Geflecht konkreter Wechselwirkungen.
Nominalisierungen können außerdem Verantwortung verschleiern:
„Die Entscheidung wurde getroffen.“
Wer hat entschieden?
„Es herrscht Ablehnung.“
Wer lehnt wen oder was ab?
„Das Vertrauen wurde zerstört.“
Wer hat was getan und wer bewertet dieses Verhalten wie?
Das Auflösen von Nominalisierungen kann deshalb helfen, Akteure, Verantwortlichkeiten und Wechselwirkungen wieder sichtbar zu machen.
Im Meta-Modell werden Nominalisierungen üblicherweise dem Bereich der Tilgungen zugeordnet. Durch die Verwandlung eines Prozesses in ein Substantiv gehen Informationen darüber verloren, wer handelt, wie gehandelt wird und wann der Prozess stattfindet.
Eine zentrale Intervention besteht darin, die Nominalisierung wieder zu denominalisieren, also in einen Prozess zurückzuverwandeln.
Aus:
„Ich brauche mehr Anerkennung.“
wird beispielsweise:
„Von wem möchtest du für was anerkannt werden und was müsste diese Person konkret tun, damit du dich anerkannt fühlst?“
Aus:
„Unsere Beziehung ist kaputt.“
wird:
„Was geschieht zwischen euch, sodass du eure Beziehung als kaputt beschreibst?“
Damit erfüllt die Arbeit mit Nominalisierungen eine zentrale Funktion des Meta-Modells:
Aus abstrakten sprachlichen Konstruktionen werden wieder konkrete Erfahrungen und veränderbare Prozesse.