Dein NLPedia – das systemische NLP Lexikon von WildWechsel– für Coaches, Trainer*innen und alle, die NLP fundiert anwenden wollen
Ein Gefühl ist ein inneres Signal über den aktuellen Stand unserer Bedürfnisbefriedigung. Es entsteht aus der subjektiv wahrgenommenen Soll-Ist-Abweichung zwischen einem gewünschten beziehungsweise benötigten Zustand und dem gegenwärtig erlebten Zustand.
Vereinfacht lässt sich der Zusammenhang so darstellen:
Bedürfnis → Soll-Zustand → wahrgenommener Ist-Zustand → Gefühl
Ist ein wichtiges Bedürfnis erfüllt oder nähert sich die Situation dem gewünschten Zustand an, entstehen eher angenehme Gefühle wie Freude, Zufriedenheit oder Erleichterung.
Besteht dagegen eine bedeutsame Abweichung zwischen Soll und Ist, können unangenehme Gefühle wie Angst, Trauer, Ärger oder Enttäuschung entstehen.
Gefühle liefern damit eine wichtige Information:
„Wie steht es gerade um etwas, das für mich bedeutsam ist?“
Entscheidend ist dabei nicht allein die objektive Situation. Gefühle entstehen auf Grundlage dessen, wie ein Mensch eine Situation wahrnimmt, bewertet und in Beziehung zu seinen Bedürfnissen setzt. Deshalb können zwei Menschen in derselben Situation vollkommen unterschiedliche Gefühle erleben.
Die bewusste Wahrnehmung und Differenzierung von Gefühlen spielt im NLP und Coaching eine wichtige Rolle, insbesondere bei:
Statt ein unangenehmes Gefühl möglichst schnell beseitigen zu wollen, kann zunächst untersucht werden:
Auf welches Bedürfnis und welche wahrgenommene Soll-Ist-Abweichung weist dieses Gefühl hin?
Damit wird das Gefühl vom Problem zum Informationsträger.
Eine Mitarbeiterin erfährt, dass ein anspruchsvolles Projekt, an dem sie mehrere Monate gearbeitet hat, im Teammeeting vorgestellt wird. Ihr Vorgesetzter erwähnt ihre Leistung jedoch nicht.
Sie reagiert mit Ärger und Enttäuschung.
Die Gefühle lassen sich als Hinweis auf eine Soll-Ist-Abweichung verstehen:
Bedürfnis: Anerkennung und Wertschätzung
Soll: „Mein Beitrag wird wahrgenommen und angemessen gewürdigt.“
Ist: „Mein Beitrag wird nicht erwähnt.“
Die Differenz zwischen Soll und Ist erzeugt die emotionale Reaktion.
Für das Coaching ist deshalb nicht nur interessant, dass die Mitarbeiterin ärgerlich ist. Entscheidend ist, welche Information der Ärger über ihre Bedürfnisse und ihre Bewertung der Situation enthält.
Systemisch betrachtet muss zusätzlich unterschieden werden, ob ein erlebtes Gefühl tatsächlich aus einer eigenen aktuellen Soll-Ist-Abweichung entsteht.
Nicht jedes Gefühl, das ein Mensch erlebt, muss ausschließlich aus seinen eigenen Bedürfnissen und seiner gegenwärtigen Situation hervorgehen. Gefühle können beispielsweise durch:
beeinflusst sein.
Deshalb gehört zur systemischen Arbeit die Frage:
„Ist dieses Gefühl tatsächlich meines und auf welches eigene Bedürfnis verweist es?“
Lässt sich kein plausibles eigenes Bedürfnis beziehungsweise keine entsprechende Soll-Ist-Abweichung finden, kann geprüft werden, ob es sich möglicherweise um ein Fremdgefühl handelt.
Diese Differenzierung ist wesentlich: Ein eigenes Gefühl kann verstanden und als Hinweis auf ein eigenes Bedürfnis genutzt werden. Ein Fremdgefühl dagegen sollte nicht vorschnell als eigener Persönlichkeitsanteil behandelt oder integriert werden.
Aus NLP-Perspektive entsteht ein Gefühl nicht unmittelbar durch ein äußeres Ereignis, sondern durch dessen innere Repräsentation und Bewertung.
Ein Mensch nimmt eine Situation wahr, filtert sie und gibt ihr eine Bedeutung. Diese Bedeutung wird mit eigenen Bedürfnissen, Werten, Erwartungen und bisherigen Erfahrungen abgeglichen.
Dadurch erklärt sich auch, warum dieselbe Situation unterschiedliche Gefühle hervorrufen kann.
Für Veränderungsarbeit ergeben sich deshalb verschiedene Ansatzpunkte:
Das Ziel besteht nicht darin, unangenehme Gefühle grundsätzlich zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, ihre Information zu verstehen und flexibel auf sie reagieren zu können.
Psychologische Kompetenz kann man lernen.
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