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Prokrastination

DEFINITION Prokrastination:

Prokrastination bezeichnet das wiederholte, freiwillige Aufschieben einer eigentlich beabsichtigten Handlung, obwohl absehbar ist, dass dieses Aufschieben eher Nachteile mit sich bringt.

Typisch ist also nicht:

„Ich habe mich entschieden, diese Aufgabe später zu erledigen.“

Sondern:

„Ich weiß, dass ich es tun sollte und eigentlich auch tun will – aber ich fange trotzdem nicht an.“

Prokrastination ist deshalb von sinnvoller Priorisierung, Erholung oder einer bewussten Entscheidung gegen eine Aufgabe zu unterscheiden.

Sie wird häufig vorschnell als mangelnde Disziplin interpretiert. Im Coaching ist jedoch die interessantere Frage:

„Was passiert innerlich unmittelbar, bevor du nicht anfängst?“

Denn hinter Prokrastination können sehr unterschiedliche Dynamiken stehen, beispielsweise:

  • Angst vor Versagen
  • Angst vor Bewertung
  • Perfektionismus
  • Überforderung
  • unklare oder zu große Ziele
  • fehlende intrinsische Motivation
  • innere Konflikte
  • unangenehme emotionale Zustände
  • Widerstand gegen Fremdbestimmung
  • Systemische Verstrickung

 

Prokrastination beschreibt damit zunächst das sichtbare Verhalten, noch nicht dessen Ursache.

Anwendung:

Prokrastination ist ein häufiges Coachingthema, wenn Menschen:

  • wichtige Aufgaben bis zum letzten Moment verschieben
  • stattdessen Nebensächlichkeiten erledigen
  • ständig neue Vorbereitungen treffen, ohne anzufangen
  • Projekte beginnen, aber nicht abschließen
  • Entscheidungen immer wieder vertagen
  • erst unter massivem Zeitdruck leistungsfähig werden
  • sich anschließend wegen ihres Aufschiebens selbst kritisieren

 

Dabei ist es wenig hilfreich, sofort nach besseren To-do-Listen oder Zeitmanagementmethoden zu suchen.

Zunächst sollte geklärt werden:

Was genau wird aufgeschoben und was würde innerlich passieren, wenn die Person jetzt tatsächlich anfinge?

Diese Frage führt häufig näher an die Funktion des Aufschiebens.

ANWENDUNGSBEISPIEL:

Eine selbstständige Beraterin möchte seit Wochen die neue Website veröffentlichen. Eigentlich ist alles fertig. Trotzdem verändert sie immer wieder Texte, sucht neue Bilder und optimiert einzelne Formulierungen.

Sie sagt:

„Ich prokrastiniere einfach.“

Im Coaching wird der Moment untersucht, in dem sie eigentlich auf „Veröffentlichen“ klicken könnte.

Dabei entsteht sofort ein inneres Bild:

Sie sieht Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld, die ihre Website kritisch betrachten, und hört innerlich:

„Wer glaubst du eigentlich, wer du bist?“

Damit wird deutlich: Das Problem besteht nicht darin, dass sie keine Website fertigstellen kann. Das Aufschieben verhindert den Moment, in dem sie sich sichtbar und damit bewertbar macht.

Prokrastination erfüllt hier eine Schutzfunktion.

Systemischer Kontext:

Systemisch betrachtet kann Prokrastination zusätzlich mit Loyalitäten, Rollen und übernommenen Erwartungen verbunden sein.

Eine Person möchte beispielsweise Karriere machen, schiebt aber genau die Schritte auf, die sie sichtbar erfolgreicher machen würden.

Im Coaching zeigt sich möglicherweise eine familiäre Botschaft:

„Stell dich nicht so in den Vordergrund.“

Oder:

„Bei uns hält man sich bescheiden.“

Dann sollte differenziert werden:

Ist das Aufschieben Ausdruck eines eigenen inneren Konflikts – oder wirkt zusätzlich ein Introjekt beziehungsweise eine systemische Loyalität?

Auch die Frage nach Verantwortung kann relevant sein. Prokrastination kann Widerstand gegen Aufgaben ausdrücken, die ein Mensch zwar übernommen hat, innerlich aber gar nicht als seine eigenen erlebt:

„Ich müsste eigentlich …“

kann deshalb eine ausgesprochen interessante Formulierung sein.

Wer sagt eigentlich, dass du musst?

NLP-PERSPEKTIVE:

Aus NLP-Perspektive lässt sich Prokrastination besonders gut als Strategie untersuchen.

Statt:

„Warum prokrastiniere ich?“

wird gefragt:

„Wie genau machst du Prokrastination?“

Denn auch Aufschieben besitzt häufig eine erstaunlich zuverlässige innere Abfolge.

Eine mögliche Strategie könnte sein:

Aufgabe sehen → unangenehmes Zukunftsbild erzeugen → innere kritische Stimme hören → Druck im Körper spüren → Ablenkung suchen → kurzfristige Erleichterung erleben.

Damit wird verständlich, warum das Muster stabil bleibt: Die Ablenkung erzeugt unmittelbar eine Reduktion des unangenehmen Zustands.

Für die Veränderungsarbeit können unterschiedliche NLP-Ansätze sinnvoll sein:

  • Strategiearbeit
  • Submodalitätenarbeit
  • Zustandsmanagement
  • Glaubenssatzarbeit
  • Teilearbeit
  • Chunking
  • Zielarbeit und Future Pace

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Motivationsproblem und innerem Konflikt.

Wenn die Aufgabe zu groß oder abstrakt repräsentiert ist, kann beispielsweise Chunking Down helfen.

Wenn jedoch ein Teil der Person die Konsequenzen des Erfolgs fürchtet, löst eine kleinteiligere To-do-Liste das eigentliche Problem nicht.

Prokrastination ist deshalb nicht automatisch Faulheit und auch nicht automatisch Selbstsabotage.

Die produktivere Frage lautet:

„Welche innere Strategie führt dazu, dass Nicht-Anfangen im Moment attraktiver erscheint als Anfangen?“

Erst wenn diese Struktur verstanden ist, lässt sich gezielt verändern, was das Aufschieben aufrechterhält.

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