Dein NLPedia – das systemische NLP Lexikon von WildWechsel– für Coaches, Trainer*innen und alle, die NLP fundiert anwenden wollen

Strategien

DEFINITION Strategien:

Strategien bezeichnen im NLP die meist unbewusst ablaufenden inneren und äußeren Prozessfolgen, mit denen Menschen bestimmte Ergebnisse erzeugen.

Eine Strategie beschreibt also nicht nur, was jemand tut, sondern vor allem, wie die Person innerlich vorgeht, um beispielsweise:

  • eine Entscheidung zu treffen
  • sich zu motivieren
  • etwas zu lernen
  • kreativ zu werden
  • sich zu ärgern
  • Vertrauen zu entwickeln
  • etwas zu kaufen
  • ein Problem zu lösen

 

Dabei werden die einzelnen Schritte insbesondere anhand der Repräsentationssysteme VAKOG beschrieben.

Ein Mensch kann beispielsweise eine Entscheidung treffen, indem er zunächst verschiedene Möglichkeiten innerlich sieht (Vi), anschließend mit sich selbst darüber spricht (Ai) und schließlich anhand eines Körpergefühls (K) entscheidet.

Die Strategie wäre vereinfacht:

Vi → Ai → K

Strategien können hilfreich oder hinderlich sein. Entscheidend ist, welches Ergebnis sie zuverlässig hervorbringen.

Anwendung:

Strategiearbeit wird im NLP insbesondere eingesetzt, wenn:

  • erfolgreiche Fähigkeiten modelliert werden sollen
  • Entscheidungsprozesse verstanden werden sollen
  • Motivation fehlt oder nur unter bestimmten Bedingungen entsteht
  • Lernprozesse optimiert werden sollen
  • unerwünschte Verhaltensmuster immer wieder ähnlich ablaufen
  • erfolgreiche Strategien auf andere Situationen übertragen werden sollen
  • Unterschiede zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Vorgehensweisen untersucht werden

 

Strategien spielen deshalb sowohl im Coaching als auch in Führung, Lernen, Verkauf, Sport und persönlicher Entwicklung eine wichtige Rolle.

Besonders interessant sind Prozesse, die Menschen selbst kaum erklären können:

„Ich weiß einfach, wann eine Entscheidung richtig ist.“

Aus NLP-Sicht lautet die Frage:

„Was genau geschieht in dir, bis du weißt, dass es richtig ist?“

ANWENDUNGSBEISPIEL:

Zwei Führungskräfte müssen entscheiden, ob sie einer Bewerberin eine verantwortungsvolle Position anbieten.

Die erste Führungskraft sagt:

„Ich schlafe immer eine Nacht darüber und dann weiß ich es.“

Bei genauerer Untersuchung zeigt sich folgende Strategie:

Sie erinnert sich zunächst an das Bewerbungsgespräch und sieht die Bewerberin innerlich vor sich (Vi). Anschließend stellt sie sich verschiedene zukünftige Situationen mit ihr im Team vor (Vi). Dann fragt sie sich innerlich: „Passt das?“ (Ai). Schließlich wartet sie auf ein stimmiges oder unstimmiges Körpergefühl (K).

Damit wird aus:

„Dann weiß ich es einfach.“

eine nachvollziehbare Entscheidungsstrategie.

Nun kann untersucht werden, ob diese Strategie zuverlässig funktioniert, welche Informationen sie berücksichtigt und an welchen Stellen sie möglicherweise verbessert werden könnte.

Systemischer Kontext:

Aus systemischer Perspektive entstehen Strategien nicht im luftleeren Raum. Viele wurden in bestimmten Beziehungs- und Lebenskontexten erlernt und waren dort möglicherweise ausgesprochen sinnvoll.

Eine Person kann beispielsweise eine Strategie entwickelt haben:

Wahrnehmen, was andere brauchen → eigene Bedürfnisse zurückstellen → Erwartungen erfüllen → Zugehörigkeit erleben.

Diese Strategie kann in einem früheren Beziehungssystem erfolgreich gewesen sein und später automatisch auf Führung, Partnerschaft oder andere Lebensbereiche übertragen werden.

Systemisch wird deshalb zusätzlich gefragt:

  • Wo wurde diese Strategie gelernt?
  • In welchem Kontext war sie sinnvoll?
  • Für welches System funktioniert sie?
  • Ist sie heute noch angemessen?
  • Gehören alle Elemente tatsächlich zur Person selbst oder wirken übernommene Erwartungen und Introjekte mit?

 

Damit wird eine Strategie nicht vorschnell als persönliche Eigenschaft betrachtet, sondern als erlerntes und kontextabhängiges Prozessmuster.

NLP-PERSPEKTIVE:

Die Strategiearbeit gehört zu den grundlegenden Bereichen des NLP und ist eng mit dem Modellieren von Exzellenz verbunden.

Strategien werden häufig über die Abfolge der Repräsentationssysteme beschrieben:

  • V – visuell
  • A – auditiv
  • K – kinästhetisch
  • O – olfaktorisch
  • G – gustatorisch

 

Zusätzlich wird zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung unterschieden. Dadurch lässt sich eine Strategie wesentlich genauer beschreiben.

Eine Motivationsstrategie könnte beispielsweise so beginnen:

Vi → Ai → K

Die Person sieht innerlich das fertige Ergebnis, sagt sich etwas Motivierendes und entwickelt daraufhin ein positives Körpergefühl.

Für eine vollständige Strategie reicht es jedoch nicht, lediglich die Sinneskanäle zu identifizieren. Relevant sind auch:

  • die Reihenfolge der Schritte
  • die jeweiligen Submodalitäten
  • Entscheidungspunkte
  • Schleifen und Wiederholungen
  • Kriterien dafür, wann die Strategie beendet wird

 

Hier besteht eine enge Verbindung zum T.O.T.E.-Modell: Eine Strategie kann als Abfolge von Tests und Operationen verstanden werden, die so lange durchlaufen wird, bis ein bestimmtes Kriterium erfüllt ist.

Ein wichtiges Prinzip der Strategiearbeit lautet:

Wenn Menschen ein Ergebnis wiederholt erzeugen können, gibt es einen Prozess, mit dem sie dieses Ergebnis erzeugen.

Das gilt nicht nur für Exzellenz. Auch unerwünschte Ergebnisse können strategisch organisiert sein. Jemand kann beispielsweise eine ausgesprochen zuverlässige Strategie dafür besitzen, sich vor einem wichtigen Termin selbst zu verunsichern.

Strategiearbeit macht aus dem scheinbaren:

„So bin ich eben.“

die wesentlich veränderungsfreundlichere Frage:

„Wie genau mache ich das eigentlich?“

Verwandte Begriffe:

WildWechsel in Zahlen

Zertifiziert von den großen nationalen & internationalen Verbänden

EANLP Logo
Logo DVNLP
Logo INLPTA
Logo In
Logo DNLPCV