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Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen, angemessen zu regulieren und diese Informationen für Denken, Kommunikation und Handeln zu nutzen.
Der Begriff wurde insbesondere durch die Psychologen Peter Salovey und John D. Mayer wissenschaftlich geprägt und später durch Daniel Goleman einem breiten Publikum bekannt.
Je nach Modell werden unterschiedliche Teilkompetenzen unterschieden. Im Kern geht es insbesondere um:
Emotionale Intelligenz bedeutet dabei nicht, möglichst wenig unangenehme Gefühle zu haben oder Emotionen jederzeit kontrollieren zu können.
Sie bedeutet vielmehr:
Gefühle wahrnehmen, ihre Information verstehen und bewusst mit ihnen umgehen zu können, statt ihnen automatisch ausgeliefert zu sein.
Emotionale Intelligenz ist besonders relevant in:
Gerade für Führungskräfte ist sie bedeutsam, weil Führung immer auch den Umgang mit emotionalen Zuständen beinhaltet.
Eine emotional intelligente Führungskraft nimmt beispielsweise wahr, dass sie sich über einen Mitarbeiter ärgert, kann diesen Ärger jedoch zunächst reflektieren, bevor sie handelt.
Gleichzeitig erkennt sie möglicherweise, dass der Mitarbeiter auf Kritik mit Unsicherheit reagiert, und kann ihre Kommunikation entsprechend gestalten.
Emotionale Intelligenz bedeutet damit weder, Konflikte zu vermeiden, noch ständig verständnisvoll zu sein. Sie ermöglicht vielmehr, auch in emotional anspruchsvollen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Eine Führungskraft präsentiert ihrem Team eine geplante Umstrukturierung.
Ein Mitarbeiter reagiert ungewöhnlich scharf:
„Das ist doch schon wieder so eine Entscheidung, die über unsere Köpfe hinweg getroffen wurde.“
Die Führungskraft spürt sofort Ärger und den Impuls zu antworten:
„Vielleicht solltest du erst einmal zuhören, bevor du urteilst.“
Emotionale Intelligenz ermöglicht ihr, mehrere Ebenen gleichzeitig wahrzunehmen.
Sie erkennt ihren eigenen Ärger und reguliert zunächst ihren Zustand. Gleichzeitig nimmt sie die Körperspannung und den veränderten Tonfall des Mitarbeiters wahr.
Statt unmittelbar zurückzugreifen, fragt sie:
„Was genau an der Veränderung bereitet dir gerade die größten Sorgen?“
Nun zeigt sich, dass der Mitarbeiter befürchtet, einen wesentlichen Teil seines bisherigen Verantwortungsbereichs zu verlieren.
Aus einer möglichen Eskalation wird ein Gespräch über das eigentliche Bedürfnis.
Systemisch betrachtet entstehen und verändern sich Emotionen in Beziehungen und Wechselwirkungen.
Ein emotionaler Zustand gehört deshalb nicht immer ausschließlich einer einzelnen Person. Menschen reagieren aufeinander, beeinflussen sich gegenseitig und erzeugen gemeinsam emotionale Dynamiken.
In einem Team kann beispielsweise die Unsicherheit einer Führungskraft zu verstärkter Kontrolle führen. Die Mitarbeitenden reagieren darauf mit Zurückhaltung. Die Führungskraft interpretiert diese Zurückhaltung als mangelndes Engagement und kontrolliert noch stärker.
Es entsteht ein Kreislauf:
Unsicherheit → Kontrolle → Rückzug → noch mehr Unsicherheit → noch mehr Kontrolle
Emotionale Intelligenz bedeutet aus systemischer Perspektive deshalb auch, zu erkennen:
„Was ist mein eigener emotionaler Anteil – und was entsteht gerade zwischen uns?“
Hinzu kommt die Differenzierung zwischen Eigen- und Fremdgefühlen. Nicht jede Emotion, die ein Mensch wahrnimmt, muss ausschließlich aus seiner aktuellen Bedürfnislage stammen. Introjekte, familiäre Loyalitäten oder übernommene emotionale Dynamiken können ebenfalls eine Rolle spielen.
Emotionale Intelligenz ist kein ursprüngliches NLP-Konzept, lässt sich jedoch eng mit mehreren NLP-Kompetenzen verbinden.
Kalibrieren unterstützt dabei, feine Veränderungen bei anderen Menschen wahrzunehmen – beispielsweise in Atmung, Mimik, Stimme oder Körperspannung.
Empathie und Wahrnehmungspositionen ermöglichen es, eine Situation vorübergehend aus der Perspektive eines anderen Menschen zu betrachten, ohne die eigene Position aufzugeben.
State Management beziehungsweise Zustandsmanagement unterstützt die Fähigkeit, den eigenen emotionalen Zustand bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen.
Auch die bereits beschriebenen Gefühlskategorien können die emotionale Differenzierungsfähigkeit erhöhen:
Aus NLP-Perspektive kommt eine weitere Frage hinzu:
Wie wird die Emotion innerlich erzeugt und aufrechterhalten?
Innere Bilder, Stimmen, Körperempfindungen, Bewertungen und Glaubenssätze können untersucht und gegebenenfalls verändert werden.
Emotionale Intelligenz bedeutet damit nicht nur:
„Ich weiß, was ich fühle.“
Sondern zunehmend:
„Ich verstehe, was dieses Gefühl mir mitteilt, wie es entsteht und wie ich damit so umgehen kann, dass ich weiterhin Wahlmöglichkeiten habe.“