Das systemische NLP Lexikon von WildWechsel– für Coaches, Trainer*innen und alle, die NLP fundiert anwenden wollen

Ambivalenzkonflikt

Definition Ambivalenzkonflikt:

Ein Ambivalenzkonflikt beschreibt einen inneren Konflikt, bei dem eine Person gleichzeitig gegensätzliche Wünsche, Bedürfnisse oder Ziele erlebt.

Ein Teil möchte in eine bestimmte Richtung gehen; ein anderer Teil hält dagegen. Dadurch entsteht häufig:

  • Unentschlossenheit
  • innere Spannung
  • Aufschieben
  • emotionale Erschöpfung

Typisch ist das Gefühl: „Ich will, aber ich will auch nicht.“

Im NLP wird ein Ambivalenzkonflikt nicht als Schwäche verstanden, sondern als Hinweis darauf, dass mehrere bedeutsame Anteile oder Werte gleichzeitig aktiv sind.

Anwendung:

Die Arbeit mit Ambivalenzkonflikten ist besonders relevant, wenn:

  • Entscheidungen immer wieder verschoben werden
  • Menschen „feststecken“
  • Ziele trotz Motivation nicht umgesetzt werden
  • widersprüchliches Verhalten auftritt
  • starke innere Spannung besteht

Typische Beispiele:

  • Nähe wollen und gleichzeitig Angst davor haben
  • sich beruflich verändern wollen und Sicherheit brauchen
  • sichtbar werden wollen und Angst vor Bewertung haben

Im Coaching geht es darum:

  • die beteiligten Seiten sichtbar zu machen
  • ihre positive Absicht zu verstehen
  • und eine stimmige Lösung oder Integration zu ermöglichen

Anwendungsbeispiel:

Eine Frau möchte sich selbstständig machen.

Ein Teil in ihr sagt:
👉 „Endlich frei arbeiten und eigene Ideen umsetzen.“

Ein anderer Teil sagt:
👉 „Das ist zu riskant. Du brauchst Sicherheit.“

→ Es entsteht ein Ambivalenzkonflikt:

  • Freiheit vs. Sicherheit
  • Entwicklung vs. Kontrolle

Im Coaching wird deutlich: Beide Seiten verfolgen legitime Bedürfnisse.

Erst als beide Perspektiven gewürdigt werden, entsteht Bewegung:

  • ein schrittweiser Übergang
  • finanzielle Absicherung
  • kleinere erste Schritte statt radikaler Veränderung

→ Der Konflikt wird nicht „wegargumentiert“, sondern integriert.

Systemischer Kontext:

Systemisch betrachtet entstehen Ambivalenzkonflikte oft durch:

  • widersprüchliche Loyalitäten
  • konkurrierende Werte
  • Introjekte aus verschiedenen Systemen
  • innere Anteile mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Beispiele:

  • „Sei erfolgreich“ vs. „Bleib bescheiden“
  • „Sei unabhängig“ vs. „Verlass die Familie nicht“

Dadurch wirken manche Entscheidungen emotional viel größer, als sie objektiv erscheinen.

Wichtig ist deshalb:
👉 Nicht jede innere Stimme gehört wirklich zur eigenen Identität.

Im Coaching kann es notwendig sein zu klären:

  • Welche Anteile sind echte Eigenanteile?
  • Welche Stimmen stammen aus übernommenen Erwartungen?

NLP-PERSPEKTIVE:

Im NLP werden Ambivalenzkonflikte häufig bearbeitet über:

  • Teilearbeit
  • Verhandlungs-Reframing
  • Wertearbeit
  • Reframing
  • Zukunftsprojektion

Dabei ist entscheidend:
👉 Beide Seiten haben meist eine positive Absicht.

Veränderung entsteht nicht durch Unterdrückung einer Seite, sondern durch:

  • Verständnis
  • Differenzierung
  • Integration oder Neuordnung

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