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Gaslighting bezeichnet eine Form psychologischer Manipulation, bei der die Wahrnehmung, Erinnerung oder Einschätzung eines anderen Menschen wiederholt infrage gestellt oder verdreht wird, sodass dieser zunehmend an der eigenen Wahrnehmung zweifelt.
Typische Aussagen können sein:
Entscheidend ist: Nicht jede Meinungsverschiedenheit, unterschiedliche Erinnerung oder unangemessene Abwertung ist bereits Gaslighting. Der Begriff bezeichnet ein wiederkehrendes manipulierendes Muster, durch das die Sicherheit einer Person in die eigene Realitätswahrnehmung untergraben wird.
Der Begriff geht auf Patrick Hamiltons Theaterstück Gas Light von 1938 zurück und wurde durch dessen Verfilmungen bekannt. Darin manipuliert ein Ehemann gezielt die Umgebung seiner Frau und bestreitet anschließend ihre Wahrnehmungen, um sie an ihrem Verstand zweifeln zu lassen.
Gaslighting kann in unterschiedlichen Beziehungssystemen auftreten, beispielsweise:
Im Coaching kann das Thema relevant werden, wenn Menschen zunehmend Schwierigkeiten haben, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.
Hinweise können sein:
Dabei sollte der Begriff nicht vorschnell als Diagnose oder Etikett für einen Konfliktpartner verwendet werden. Entscheidend ist die konkrete Interaktionsdynamik.
Eine Mitarbeiterin vereinbart mit ihrer Führungskraft, einen Bericht bis Freitag fertigzustellen.
Am Donnerstag kritisiert die Führungskraft sie:
„Ich habe dir eindeutig gesagt, dass ich ihn Mittwoch brauche.“
Die Mitarbeiterin erinnert sich anders. Die Führungskraft reagiert:
„Du hörst einfach nie richtig zu. Das passiert dir ständig.“
Ein einzelner solcher Vorfall könnte auf einem Missverständnis oder unterschiedlichen Erinnerungen beruhen.
Geschieht Ähnliches jedoch regelmäßig und werden Absprachen wiederholt nachträglich verändert, während gleichzeitig die Wahrnehmungsfähigkeit der Mitarbeiterin grundsätzlich infrage gestellt wird, kann eine Gaslighting-Dynamik entstehen.
Die Mitarbeiterin beginnt möglicherweise irgendwann zu denken:
„Vielleicht kann ich meiner Erinnerung tatsächlich nicht trauen.“
Genau dieser zunehmende Verlust des Vertrauens in die eigene Wahrnehmung ist charakteristisch.
Systemisch betrachtet ist Gaslighting nicht ausschließlich eine Eigenschaft einer einzelnen Person, sondern zeigt sich als asymmetrische Interaktionsdynamik, in der Definitionsmacht eine wichtige Rolle spielt.
Eine Person beansprucht zunehmend die Autorität darüber,
was passiert ist, was etwas bedeutet und welche Wahrnehmung gültig ist.
Besonders wirksam kann dies in Beziehungen mit einem deutlichen Machtgefälle werden, beispielsweise zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, Eltern und Kind oder innerhalb emotionaler Abhängigkeitsbeziehungen.
Für die systemische Arbeit ist deshalb wichtig, unterschiedliche Ebenen auseinanderzuhalten:
„Wir nehmen dieselbe Situation unterschiedlich wahr.“
ist etwas anderes als:
„Deine Wahrnehmung ist grundsätzlich falsch und nur meine Version der Realität ist gültig.“
Ziel der Arbeit kann sein, die eigene Wahrnehmung wieder ernst zu nehmen, Beobachtung und Interpretation voneinander zu unterscheiden und Verantwortlichkeiten innerhalb der Beziehung klarer zuzuordnen.
Aus NLP-Perspektive ist Gaslighting besonders interessant, weil NLP davon ausgeht, dass Menschen keine unmittelbare objektive Wirklichkeit erleben, sondern innere Landkarten der Wirklichkeit konstruieren.
Die Grundannahme „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“ bedeutet jedoch gerade nicht, dass jede Behauptung gleichermaßen zutreffend ist oder dass eine Person die Landkarte einer anderen beliebig definieren darf.
Im Gegenteil: Gaslighting kann als Versuch verstanden werden, die subjektive Landkarte eines anderen Menschen systematisch zu destabilisieren.
Das Meta-Modell der Sprache kann dabei helfen, Aussagen genauer zu überprüfen:
„Du verstehst immer alles falsch.“
👉 „Was genau habe ich in dieser Situation falsch verstanden?“
„Das habe ich nie gesagt.“
👉 „Was erinnerst du konkret und was erinnere ich?“
„Jeder findet, dass du überempfindlich bist.“
👉 „Wer genau ist jeder?“
Die Arbeit besteht dabei nicht darin, den Gaslighting-Vorwurf mit NLP-Techniken zu „beweisen“. Sie unterstützt vielmehr dabei, Generalisierungen, Interpretationen und konkrete Beobachtungen voneinander zu unterscheiden und die eigene Wahrnehmung wieder differenziert zu überprüfen.