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Wunderfrage

DEFINITION Wunderfrage:

Die Wunderfrage ist eine lösungsorientierte Coachingfrage, mit der die Aufmerksamkeit von der ausführlichen Analyse eines Problems auf einen erwünschten zukünftigen Zustand gelenkt wird. Sie stammt aus der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie und wird insbesondere mit Steve de Shazer und Insoo Kim Berg verbunden.

In ihrer Grundstruktur lautet sie sinngemäß:

„Stell dir vor, während du heute Nacht schläfst, geschieht ein Wunder und dein Problem ist gelöst. Weil du geschlafen hast, weißt du zunächst nichts davon. Woran würdest du morgen als Erstes bemerken, dass dieses Wunder geschehen ist?“

Entscheidend ist nicht das „Wunder“ selbst. Die Frage ermöglicht es, eine Zukunft zu beschreiben, in der das bisherige Problem nicht mehr besteht.

Dadurch verschiebt sich die Aufmerksamkeit von:

„Was will ich nicht mehr?“

zu:

„Was möchte ich stattdessen erleben?“

Anwendung:

Die Wunderfrage eignet sich besonders, wenn:

  • Menschen sehr stark auf ihr Problem fokussiert sind
  • ein gewünschtes Ziel noch unklar ist
  • jemand hauptsächlich beschreiben kann, was er nicht mehr möchte
  • neue Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden sollen
  • Hoffnung und Lösungsorientierung gestärkt werden sollen
  • ein konkretes Zukunftsbild entwickelt werden soll

 

Sie kann sowohl im persönlichen Coaching als auch in Führung, Teamarbeit und Konfliktklärung eingesetzt werden.

Besonders hilfreich wird sie, wenn die erste Antwort anschließend konkretisiert wird:

„Woran genau würdest du es merken?“
„Was würdest du anders tun?“
„Was würden andere an dir bemerken?“
„Was wäre das erste kleine Anzeichen dafür?“

ANWENDUNGSBEISPIEL:

Eine Führungskraft berichtet:

„Ich möchte nicht mehr jeden Abend völlig erschöpft nach Hause kommen.“

Der Coach fragt:

„Angenommen, heute Nacht geschieht ein Wunder und das Problem ist gelöst. Woran würdest du morgen merken, dass sich etwas verändert hat?“

Die Führungskraft antwortet zunächst:

„Ich wäre entspannter.“

 

Durch weitere Fragen wird das Ziel konkreter:

Sie würde morgens nicht sofort ihre E-Mails öffnen. Im Büro würde sie Aufgaben konsequenter delegieren. In Meetings würde sie nicht automatisch jede zusätzliche Aufgabe übernehmen. Sie würde gegen 18 Uhr den Arbeitsplatz verlassen und auf dem Heimweg nicht mehr gedanklich sämtliche Probleme des Teams bearbeiten.

Aus dem abstrakten Wunsch „weniger Stress“ entsteht damit eine konkrete Beschreibung beobachtbarer Veränderungen.

Systemischer Kontext:

Die Wunderfrage lässt sich besonders gut systemisch erweitern, indem nicht nur nach der Veränderung des Klienten gefragt wird, sondern nach den Auswirkungen auf sein Beziehungssystem:

„Wer würde als Erstes bemerken, dass das Wunder geschehen ist?“

„Woran würde diese Person es erkennen?“

„Wie würde sie darauf reagieren?“

„Und was würdest du wiederum tun, wenn sie so reagiert?“

Dadurch werden Wechselwirkungen sichtbar. Das gewünschte Ergebnis wird nicht als isolierte Veränderung einer Person betrachtet, sondern als Veränderung innerhalb eines Systems.

Gleichzeitig kann deutlich werden, dass eine Lösung auch Auswirkungen hat, die zunächst ambivalent erlebt werden. Wenn beispielsweise eine Führungskraft weniger Verantwortung übernimmt, müssen andere Teammitglieder möglicherweise mehr Verantwortung tragen.

Die Wunderfrage kann deshalb auch sichtbar machen:

Was würde sich im gesamten System verändern, wenn das Problem tatsächlich nicht mehr da wäre?

NLP-PERSPEKTIVE:

Obwohl die Wunderfrage nicht aus dem NLP stammt, lässt sie sich sehr gut mit NLP-Zielarbeit verbinden.

Sie unterstützt insbesondere den Wechsel von einer Problemrepräsentation zu einer Zielrepräsentation. Statt Aufmerksamkeit und innere Bilder auf das unerwünschte Erleben zu richten, konstruiert der Klient eine sensorisch konkrete Vorstellung des gewünschten Zustands.

Mit VAKOG kann diese anschließend weiter präzisiert werden:

  • Was siehst du?
  • Was hörst du?
  • Was spürst du?
  • Was tust du anders?
  • Woran erkennen andere die Veränderung?

 

Damit kann aus der Wunderfrage ein sehr konkreter Future Pace entstehen.

Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob die entwickelte Zukunft den Wohlgeformtheitskriterien für Ziele entspricht. Denn ein Wunder darf in der Vorstellung von anderen Menschen abhängen – ein NLP-Ziel sollte anschließend so formuliert werden, dass sein Erreichen im eigenen Einflussbereich liegt.

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